Kann die Verwendung von Rindenmulch zu einer Versauerung des Bodens (Absinken des pH-Werts) führen?
Ja, die Verwendung von Rindenmulch kann tatsächlich zu einer Versauerung des Bodens (einem Absinken des pH-Werts) führen.
Hier sind die Details dazu, warum das passiert und was man beachten sollte:
1. Warum wird der Boden saurer?
- Ausgangsmaterial: Der handelsübliche Rindenmulch besteht meist aus der Rinde von Nadelbäumen (Fichte und Kiefer). Nadelholz hat von Natur aus einen niedrigen pH-Wert (sauer).
- Zersetzungsprozess: Während Mikroorganismen die Rinde zersetzen, werden organische Säuren (wie Gerbstoffe und Huminsäuren) freigesetzt. Diese gelangen in die oberste Bodenschicht und senken dort den pH-Wert.
- Langzeitwirkung: Je länger und dicker die Mulchschicht aufgetragen wird, desto stärker kann dieser Effekt ausfallen, besonders auf Böden, die ohnehin schon zur Versauerung neigen (z. B. sandige Böden).
2. Ein weiteres Problem: Die Stickstoffsperre
Neben der Versauerung gibt es einen zweiten wichtigen Effekt: Bei der Zersetzung von Rindenmulch entziehen Bakterien dem Boden Stickstoff, um das kohlenstoffreiche Holz abzubauen. Das kann zu einem Stickstoffmangel bei den Pflanzen führen (erkennbar an gelblichen Blättern und Kümmerwuchs).
3. Für welche Pflanzen ist das gut oder schlecht?
- Vorteilhaft (Moorbeetpflanzen): Pflanzen, die sauren Boden lieben, profitieren vom Rindenmulch. Dazu gehören Rhododendren, Azaleen, Hortensien, Heidelbeeren oder Farne.
- Nachteilig (Kalkliebende Pflanzen): Pflanzen, die einen neutralen bis kalkhaltigen Boden bevorzugen, leiden unter Rindenmulch. Beispiele sind Lavendel, viele Rosenarten, Buchsbaum, Clematis und fast alle Gemüsesorten im Beet.
4. Tipps zur richtigen Anwendung
Wenn Sie Rindenmulch verwenden möchten, ohne den Boden zu stark zu schädigen, können Sie folgende Maßnahmen ergreifen:
- Hornspäne ausbringen: Streuen Sie vor dem Ausbringen des Mulchs eine Handvoll Hornspäne (ca. 40-80g pro m²) aus. Dies gleicht den Stickstoffentzug aus.
- Kalken: Wenn Sie Rindenmulch bei Pflanzen verwenden, die keine Säure mögen, können Sie gelegentlich etwas Gartenkalk ausbringen, um den pH-Wert zu neutralisieren.
- Qualität wählen: Billiger Rindenmulch enthält oft Cadmium oder ist sehr frisch. Gut gelagerter oder fermentierter Mulch (Rindenhumus) ist weniger aggressiv und bereits teilweise zersetzt.
- Alternativen nutzen:
- Für Gemüsebeete: Rasenschnitt oder Stroh.
- Für Stauden: Häckselgut von Laubbäumen (neutraler) oder Kies/Splitt (bei mediterranen Pflanzen).
Fazit: Ja, Rindenmulch säuert den Boden an. In einem Rhododendronbeet ist das erwünscht, im Rosenbeet oder Gemüsegarten sollte man jedoch vorsichtig sein oder entsprechende Gegenmaßnahmen (Kalk/Stickstoff) ergreifen.