Besteht bei der Verwendung von alkoholbasierten Hygienesprays eine erhöhte Brand- oder Explosionsgefahr?
Ja, bei der Verwendung von alkoholbasierten Hygienesprays besteht eine erhöhte Brand- und Explosionsgefahr, wenn sie nicht sachgemäß angewendet werden.
Hier sind die physikalischen und chemischen Hintergründe sowie die wichtigsten Risikofaktoren:
1. Brennbarkeit des Inhaltsstoffes
Die meisten Desinfektionssprays bestehen zu 60 % bis 90 % aus Alkoholen (Ethanol, Isopropanol oder n-Propanol). Diese Stoffe sind als leichtentzündlich eingestuft.
- Flammpunkt: Ethanol hat beispielsweise einen Flammpunkt von ca. 13 °C. Das bedeutet, dass es schon bei normaler Raumtemperatur genügend Dämpfe bildet, die durch einen Funken entzündet werden können.
2. Gefahr durch Sprühnebel (Aerosole)
Das größte Risiko bei Sprays im Vergleich zu flüssigen Einreibemitteln ist die feine Zerstäubung:
- Durch das Sprühen vergrößert sich die Oberfläche der Flüssigkeit extrem.
- Es entsteht ein Aerosol-Luft-Gemisch, das wesentlich leichter entzündbar ist als die flüssige Phase.
- In geschlossenen, kleinen Räumen (z. B. im Auto, in kleinen Abstellkammern oder in Schränken) kann die Konzentration des Alkohols in der Luft schnell die untere Explosionsgrenze erreichen.
3. Mögliche Zündquellen
Schon ein winziger Funke kann ausreichen, um den Sprühnebel oder die unsichtbare Dampfwolke zu entzünden:
- Offene Flammen: Kerzen, Gasherde, Feuerzeuge oder Zigaretten.
- Elektrische Funken: Lichtschalter, Steckdosen, Elektrowerkzeuge oder das Einschalten von Geräten.
- Heiße Oberflächen: Herdplatten, Bügeleisen oder heiße Motorteile.
- Elektrostatische Entladung: Ein Funke, der beim Ausziehen eines Pullovers (Synthetik) entsteht, kann theoretisch ausreichen.
4. Besondere Gefahrensituationen
- Elektronische Geräte: Wenn man ein Smartphone, eine Tastatur oder ein anderes Elektrogerät einsprüht, solange es eingeschaltet oder noch warm ist, kann ein Kurzschluss oder die Betriebswärme einen Brand auslösen.
- Lagerung im Auto: Im Sommer können im Auto Temperaturen entstehen, die den Druck in der Sprühdose gefährlich erhöhen (Berstgefahr) und die Verdunstung von Alkohol beschleunigen.
Wie Sie das Risiko minimieren:
- Lüften: Sprühen Sie nur in gut belüfteten Räumen.
- Wischdesinfektion bevorzugen: Wenn möglich, geben Sie das Mittel auf ein Tuch und wischen Sie die Fläche ab, anstatt zu sprühen. Das vermeidet den gefährlichen Sprühnebel.
- Zündquellen meiden: Rauchen Sie niemals während der Verwendung und halten Sie Abstand von Kerzen oder Herden.
- Elektrogeräte ausschalten: Lassen Sie Geräte vor der Reinigung abkühlen und ziehen Sie den Netzstecker.
- Vollständig trocknen lassen: Warten Sie nach der Desinfektion, bis der Alkohol vollständig verflogen ist, bevor Sie elektrische Geräte wieder einschalten oder Zündquellen nutzen.
- Lagerung: Bewahren Sie die Behälter kühl, trocken und fern von Hitzequellen auf.
Zusammenfassend: Bei normalem Gebrauch (Händedesinfektion durch Einreiben) ist das Risiko sehr gering. Die Gefahr steigt jedoch signifikant an, wenn großflächig in engen Räumen gesprüht wird oder Zündquellen in der Nähe sind.