Sind konventionell angebaute Haferflocken häufig mit Rückständen von Glyphosat belastet?

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Die Antwort auf diese Frage ist ein differenziertes „Ja, aber“. Glyphosat-Rückstände werden in konventionellen Haferflocken immer wieder nachgewiesen, allerdings liegen die Mengen meist unter den gesetzlichen Grenzwerten.

Hier sind die wichtigsten Fakten zur aktuellen Situation:

1. Befunde in Produkttests

Untersuchungen von Organisationen wie ÖKO-TEST oder der Stiftung Warentest zeigen regelmäßig, dass konventionelle Haferflocken häufiger Spuren von Glyphosat enthalten als andere Getreideprodukte.

  • In einem großen Test von ÖKO-TEST (2022/2023) wurden in mehreren konventionellen Produkten Rückstände gefunden.
  • Die gute Nachricht: Die gefundenen Mengen lagen fast immer deutlich unter dem gesetzlich zulässigen EU-Höchstwert. Dennoch führt dies bei ÖKO-TEST oft zu Punktabzügen, da das Magazin eine „Null-Toleranz-Strategie“ bei Pestiziden verfolgt.

2. Warum ist ausgerechnet Hafer betroffen? (Das Problem der Sikkation)

Hafer reift oft ungleichmäßig ab. In der Vergangenheit wurde Glyphosat daher kurz vor der Ernte eingesetzt, um das Getreide gleichmäßig abzutöten und zu trocknen (die sogenannte Sikkation). Dies erleichtert die Ernte mit dem Mähdrescher.

  • Da das Spritzmittel so kurz vor der Ernte direkt auf das Korn gelangt, sind die Rückstände hier oft höher als bei anderen Getreidearten.
  • Wichtig: In Deutschland ist die Sikkation mit Glyphosat für Hafer, der für Lebensmittel gedacht ist, mittlerweile stark eingeschränkt bzw. verboten. In anderen Ländern (auch innerhalb der EU oder in Nordamerika) gelten jedoch teils lockerere Regeln.

3. Herkunft spielt eine Rolle

Ob Rückstände enthalten sind, hängt stark vom Anbauland ab:

  • Deutscher Hafer: Ist tendenziell weniger belastet, da die Auflagen für den Glyphosat-Einsatz hierzulande sehr streng sind.
  • Importware: Hafer aus Ländern, in denen die Sikkation noch weit verbreitet ist, weist statistisch häufiger Rückstände auf. Da der Hafermarkt global ist, mischen viele große Hersteller Hafer aus verschiedenen Quellen.

4. Bio-Haferflocken als Alternative

Wenn Sie Glyphosat komplett vermeiden möchten, sind Bio-Haferflocken die sicherste Wahl.

  • Im ökologischen Landbau ist der Einsatz von chemisch-synthetischen Pestiziden und Herbiziden (wie Glyphosat) verboten.
  • Tests bestätigen immer wieder: Bio-Haferflocken sind nahezu ausnahmslos frei von Glyphosat-Rückständen.

5. Gesundheitliche Einordnung

Die gesundheitliche Bewertung von Glyphosat ist umstritten:

  • Die EU-Behörden (EFSA, ECHA) stufen die derzeit in Lebensmitteln vorkommenden Mengen als nicht krebserregend und für den Menschen sicher ein, solange die Grenzwerte eingehalten werden.
  • Die WHO-Agentur IARC stufte Glyphosat hingegen bereits 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ für den Menschen ein.

Fazit

Man kann nicht sagen, dass konventionelle Haferflocken generell „verseucht“ sind. Aber: Rückstände im Spurenbereich sind bei konventioneller Ware eher die Regel als die Ausnahme. Wer dieses Risiko (und die Umweltbelastung durch Glyphosat) ausschließen möchte, sollte zu zertifizierten Bio-Produkten greifen.