Muss ein Untergrund zwingend angeschliffen werden, bevor Buntlack aufgetragen wird?
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Die kurze Antwort lautet: Ja, in den allermeisten Fällen ist das Anschleifen zwingend erforderlich, wenn das Ergebnis dauerhaft halten und gut aussehen soll.
Zwar gibt es moderne Lacke, die mit „Haftung ohne Anschleifen“ werben, aber Profis raten dennoch fast immer dazu. Hier sind die Gründe, warum das Anschleifen so wichtig ist und wann man eventuell darauf verzichten kann:
Warum muss man anschleifen?
- Mechanische Verankerung (Haftung): Buntlack benötigt eine angeraute Oberfläche, um sich mechanisch mit dem Untergrund zu verzahnen. Auf einer spiegelglatten Oberfläche (z. B. altem Glanzlack oder glattem Kunststoff) findet der Lack keinen Halt und kann später wie eine Haut abblättern.
- Entfernung von Verunreinigungen: Durch das Schleifen werden oberflächliche Verschmutzungen, leichte Fettrückstände oder Trennmittel entfernt, die eine chemische Verbindung des Lacks verhindern würden.
- Glättung: Unebenheiten, Nasen vom alten Anstrich oder aufgestellte Holzfasern werden geebnet. Ohne Schleifen sieht man diese Makel durch den neuen Lack hindurch sogar noch deutlicher.
- Tragfähigkeit: Alter Lack, der bereits spröde ist oder abblättert, muss zwingend abgeschliffen werden, da der neue Lack nur so stabil ist wie die Schicht darunter.
Die Ausnahmen: Wann geht es ohne?
Es gibt nur wenige Szenarien, in denen man auf das Schleifen verzichten kann:
- Spezielle Haftgründe (Primer): Es gibt chemische Haftvermittler für extrem glatte Oberflächen (z. B. Fliesen oder Glas). Hier ersetzt die Chemie die mechanische Aufrauhung. Dennoch ist gründliches Entfetten hier lebenswichtig.
- „Shabby Chic“ Kreidefarben: Manche Kreidefarben sind so formuliert, dass sie auf fast allem haften. Aber auch hier gilt: Für ein strapazierfähiges Ergebnis ist Anschleifen besser.
- Frischer Voranstrich: Wenn du gerade erst eine Grundierung aufgetragen hast und diese noch innerhalb des vom Hersteller angegebenen Zeitfensters (meist wenige Stunden) überlackierst, ist die Oberfläche oft noch „reaktiv“ genug, um den Lack ohne Zwischenschliff anzunehmen.
Was passiert, wenn man nicht schleift?
- Abplatzer: Schon bei kleinen Stößen oder Kratzern blättert der Lack großflächig ab.
- Kraterbildung: Der Lack zieht sich beim Trocknen zusammen (ähnlich wie Wasser auf einer gefetteten Pfanne), weil er die Oberfläche nicht „benetzen“ kann.
- Sichtbare Strukturen: Pinselstriche oder Macken des alten Untergrunds bleiben permanent sichtbar.
Profi-Tipps für das Anschleifen:
- Nicht abschleifen, nur anschleifen: Du musst den alten Lack nicht komplett entfernen (außer er blättert ab). Es reicht, wenn der Glanz verschwindet und die Fläche matt wirkt.
- Die richtige Körnung: Für den Zwischenschliff oder das Anrauen von Altanstrichen reicht meist eine 180er bis 240er Körnung.
- Ganz wichtig – Entstauben: Nach dem Schleifen muss der Staub penibel entfernt werden (absaugen und mit einem feuchten, fusselfreien Tuch oder Staubbindetuch nachwischen). Staub ist der größte Feind einer glatten Lackierung.
Fazit: Wenn du dir die Arbeit machst, etwas neu zu lackieren, solltest du die 10–15 Minuten für das Anschleifen investieren. Es ist der wichtigste Schritt für ein professionelles und langlebiges Ergebnis.