Wie lassen sich Risse in der getrockneten Lackoberfläche von Buntlack vermeiden?
Risse in der Lackoberfläche (oft als „Haarrisse“, „Krakelee“ oder „Schrumpfrisse“ bezeichnet) entstehen fast immer durch Spannungen während des Trocknungsprozesses.
Hier sind die wichtigsten Faktoren und Tipps, um Risse bei Buntlack zu vermeiden:
1. Die goldene Regel: Dünne Schichten statt einer dicken
Der häufigste Fehler ist ein zu dicker Farbauftrag. Wenn die Lackschicht zu dick ist, trocknet sie an der Oberfläche bereits, während sie darunter noch weich und feucht ist. Beim anschließenden Durchhärten zieht sich das Material zusammen und die bereits feste Oberfläche reißt auf.
- Lösung: Tragen Sie den Lack in zwei bis drei dünnen Schichten auf statt in einer dicken „Sattelschicht“.
2. Ausreichende Trocknungszeiten einhalten
Wenn die erste Schicht noch nicht vollständig durchgetrocknet ist und bereits die zweite Schicht aufgetragen wird, „arbeitet“ die untere Schicht weiter. Die Lösungsmittel der unteren Schicht wollen entweichen, während die obere Schicht bereits dicht macht.
- Lösung: Halten Sie sich strikt an die Angaben des Herstellers zu den Überarbeitungszeiten (meist 6–12 Stunden, je nach Lackart).
3. Untergrund richtig vorbereiten
Ein instabiler, fettiger oder zu glatter Untergrund verhindert eine gute Haftung. Wenn der Lack nicht auf dem Untergrund „klebt“, zieht er sich beim Trocknen eigenständig zusammen.
- Lösung:
- Reinigen: Staub, Fett und Silikon gründlich entfernen.
- Schleifen: Den Untergrund fein anschleifen, um die Oberfläche zu vergrößern.
- Grundieren: Nutzen Sie eine zum Lack passende Grundierung (Haftgrund), besonders bei Metall, Kunststoff oder sehr saugstarkem Holz.
4. Den richtigen „Schichtaufbau“ beachten (Weich auf Hart vermeiden)
In der Lackiertechnik gilt: Hart auf Weich reißt. Wenn Sie einen sehr harten, spröden Lack (z. B. manche 2K-Lacke) über einen weichen, flexiblen Lack (z. B. alten Kunstharzlack) streichen, kommt es bei Temperaturschwankungen unweigerlich zu Rissen.
- Lösung: Bleiben Sie im gleichen System (z. B. Acryllack auf Acrylgrundierung). Wenn Sie über Altlackierungen streichen, testen Sie an einer unauffälligen Stelle, ob sich die Lacke vertragen.
5. Optimale Umgebungsbedingungen
Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit spielen eine große Rolle:
- Zu heiß/Sonne: Der Lack trocknet zu schnell an der Oberfläche (besonders bei direkter Sonneneinstrahlung), was zu Spannungsrissen führt.
- Zu kalt: Der Lack härtet nicht richtig aus.
- Lösung: Lackieren Sie idealerweise bei Temperaturen zwischen 15 °C und 25 °C. Vermeiden Sie Zugluft und direkte Sonneneinstrahlung während der Trocknungsphase.
6. Holzfeuchtigkeit beachten
Holz „arbeitet“ (dehnt sich aus und zieht sich zusammen). Wenn das Holz beim Lackieren zu feucht ist und später in einem trockenen Raum schwindet, macht der Lack diese Bewegung eventuell nicht mit und reißt.
- Lösung: Das Holz sollte eine Restfeuchte von unter 15 % haben (ideal sind ca. 8–10 % für Innenräume).
7. Gründliches Aufrühren, aber ohne Luftblasen
Lacke müssen gut aufgerührt werden, damit sich Pigmente und Bindemittel mischen. Wer jedoch zu wild rührt, schlägt Luftblasen ein. Diese können beim Trocknen aufplatzen und kraterartige Risse oder Löcher hinterlassen.
- Lösung: Sanft, aber gründlich rühren und den Lack kurz „entspannen“ lassen, bevor man ihn aufträgt.
Zusammenfassung für das perfekte Ergebnis:
- Untergrund schleifen und reinigen.
- Passende Grundierung verwenden.
- Mehrere dünne Schichten lackieren.
- Jede Schicht vollständig trocknen lassen.
- Nicht in der prallen Sonne oder bei extremer Hitze arbeiten.