Können die in Lutschern verwendeten künstlichen Farbstoffe allergische Reaktionen auslösen?
Ja, künstliche Farbstoffe, die häufig in Lutschern und anderen Süßigkeiten verwendet werden, können tatsächlich Reaktionen auslösen. Dabei handelt es sich jedoch meist nicht um eine „echte“ Allergie im klassischen Sinne, sondern um eine sogenannte Pseudoallergie (Unverträglichkeitsreaktion).
Hier sind die wichtigsten Fakten dazu:
1. Welche Farbstoffe sind problematisch?
Besonders im Fokus stehen die sogenannten Azofarbstoffe. Diese sind synthetisch hergestellt und für ihre leuchtenden Farben bekannt. Zu den häufigsten gehören:
- Tartrazin (E 102) – Gelb
- Gelborange S (E 110) – Orange
- Azorubin (E 122) – Rot
- Cochenillerot A (E 124) – Rot
- Allurarot AC (E 129) – Rot
- Chinolingelb (E 104) – Gelb (kein Azofarbstoff, wird aber oft in diesem Zusammenhang genannt)
2. Was ist eine Pseudoallergie?
Im Gegensatz zu einer echten Allergie bildet das Immunsystem bei einer Pseudoallergie keine spezifischen Antikörper (IgE). Dennoch schüttet der Körper Botenstoffe wie Histamin aus, was zu Symptomen führt, die einer Allergie täuschend ähnlich sehen. Ein wichtiger Unterschied ist, dass die Reaktion oft von der Menge abhängt (Dosis-Wirkung).
3. Mögliche Symptome
Die Reaktionen können individuell sehr verschieden sein:
- Haut: Nesselsucht (Urtikaria), Juckreiz, Rötungen oder Schwellungen (Ödeme).
- Atemwege: Fließschnupfen, hustenähnliche Beschwerden oder in seltenen Fällen Asthma-Anfälle.
- Verhalten (besonders bei Kindern): Es gibt Hinweise darauf, dass diese Farbstoffe Hyperaktivität und Konzentrationsstörungen (ADHS-ähnliche Symptome) verstärken können.
4. Gesetzliche Warnhinweise
Aufgrund der oben genannten Wirkungen auf das Verhalten von Kindern gibt es in der EU eine strenge Kennzeichnungspflicht. Lebensmittel, die bestimmte Azofarbstoffe enthalten, müssen den Warnhinweis tragen:
„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“
5. Wer ist besonders gefährdet?
- Menschen mit chronischer Nesselsucht: Sie reagieren häufiger empfindlich auf Farbstoffe.
- Aspirin-Sensitive: Menschen, die allergisch auf Acetylsalicylsäure (Aspirin) reagieren, zeigen oft eine Kreuzempfindlichkeit gegenüber Azofarbstoffen (insbesondere Tartrazin).
- Asthmatiker: Hier können Farbstoffe in seltenen Fällen Anfälle triggern.
6. Was kann man tun?
- Zutatenliste lesen: Achten Sie auf die E-Nummern oder die Namen der Farbstoffe.
- Natürliche Alternativen: Viele Hersteller nutzen mittlerweile färbende Lebensmittel wie Rote-Bete-Saft, Kurkuma, Spirulina oder Paprika-Extrakt. Diese sind in der Regel unbedenklich.
- Bio-Lutscher: In zertifizierten Bio-Produkten sind künstliche Farbstoffe generell verboten.
Fazit: Wenn Sie oder Ihr Kind nach dem Verzehr von bunten Lutschern Hautausschlag oder auffällige Unruhe bemerken, ist es ratsam, auf Produkte mit natürlichen Farbstoffen umzusteigen. Bei schweren Symptomen sollte ein Allergologe aufgesucht werden.