Enthalten preiswerte Balsamico-Produkte oft künstliche Farbstoffe wie Ammoniak-Zuckercouleur?

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Ja, das ist leider sehr häufig der Fall. In vielen preiswerten Balsamico-Essigen, insbesondere beim weit verbreiteten „Aceto Balsamico di Modena g.g.A.“ (geografisch geschützte Angabe), wird Ammoniak-Zuckercouleur als Farbstoff eingesetzt.

Hier sind die Details dazu, warum das so ist und worauf du achten solltest:

1. Warum wird Zuckercouleur verwendet?

Ein echter, traditioneller Balsamico (Aceto Balsamico Tradizionale) reift über viele Jahre (mindestens 12 bis 25 Jahre) in verschiedenen Holzfässern. Durch die Verdunstung und den Kontakt mit dem Holz wird er von Natur aus dickflüssig und tiefschwarz.

Preiswerte Produkte werden jedoch industriell in kurzer Zeit (oft nur wenige Monate oder gar Wochen) hergestellt. Da dieser Essig von Natur aus eher hell und wässrig wäre, hilft man optisch nach:

  • Farbe: Ammoniak-Zuckercouleur (E 150d) verleiht dem Produkt die typische dunkelbraune bis schwarze Farbe, die Reife suggeriert.
  • Konsistenz: Oft werden auch Verdickungsmittel (wie Xanthan oder modifizierte Stärke) zugesetzt, um die cremige Textur eines alten Balsamicos zu imitieren.

2. Was genau ist Ammoniak-Zuckercouleur (E 150d)?

Es handelt sich um einen chemisch hergestellten Farbstoff. Dabei wird Zucker unter Hitzeeinwirkung mit Ammoniak- und Sulfitverbindungen umgesetzt.

  • Kritik: Bei der Herstellung von E 150d kann als Nebenprodukt 4-Methylimidazol (4-MEI) entstehen. Dieser Stoff steht im Verdacht, in hohen Dosen krebserregend zu sein. In der EU gibt es zwar Grenzwerte, aber Gesundheitsschützer raten dennoch zur Vorsicht, besonders bei häufigem Verzehr.

3. Woran erkennst du „echten“ Balsamico ohne Farbstoff?

Um die Farbstoffe zu vermeiden, hilft ein Blick auf das Etikett:

  • Zutatenliste: Wenn dort „Zuckercouleur“, „E 150“, „E 150d“ oder „Ammoniumsulfit-Zuckercouleur“ steht, wurde getrickst. Ein hochwertiger Balsamico besteht idealerweise nur aus zwei Zutaten: Traubenmost und Weinessig.
  • Die Bezeichnung:
    • Aceto Balsamico Tradizionale (D.O.P.): Die höchste Qualitätsstufe. Er darf keine Zusätze enthalten (kein Farbstoff, kein Konservierungsmittel). Er ist sehr teuer (ca. 50–100 € pro 100 ml).
    • Aceto Balsamico di Modena (g.g.A.): Hier ist laut EU-Verordnung der Zusatz von bis zu 2 % Zuckercouleur explizit erlaubt. Es gibt jedoch auch in dieser Kategorie Hersteller, die freiwillig darauf verzichten.
  • Balsamico-Cremes: In fast allen Balsamico-Cremes (die in den Spritzflaschen für Dekoration) sind Farbstoffe, Zucker und Verdickungsmittel enthalten.

Fazit

In der Preisklasse unter 5 bis 10 Euro pro Flasche enthalten fast alle Balsamico-Essige Zuckercouleur. Wenn du diesen Farbstoff vermeiden möchtest, solltest du zu Bio-Produkten greifen (dort ist E 150d oft untersagt) oder gezielt nach Produkten suchen, bei denen auf dem Etikett „ohne Farbstoffe“ steht und deren Zutatenliste lediglich Traubenmost und Weinessig ausweist.

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