Gibt es allergische Reaktionen auf Kräuterbestandteile wie Anis, Fenchel oder Kümmel in Stilltees?
Ja, allergische Reaktionen auf Kräuterbestandteile wie Anis, Fenchel und Kümmel in Stilltees sind möglich, wenn auch vergleichsweise selten.
Diese drei Pflanzen gehören botanisch zur Familie der Doldenblütler (Apiaceae). Hier sind die wichtigsten Details zu möglichen allergischen Reaktionen:
1. Die Ursache: Kreuzallergien
Häufig handelt es sich nicht um eine isolierte Allergie gegen den Stilltee, sondern um eine sogenannte Kreuzallergie.
- Wer allergisch auf Beifußpollen oder Sellerie reagiert (das sogenannte „Sellerie-Karotten-Beifuß-Gewürz-Syndrom“), hat ein erhöhtes Risiko, auch auf Anis, Fenchel oder Kümmel zu reagieren.
- Auch Allergien gegen Karotten, Koriander oder Petersilie können auf eine Überempfindlichkeit gegenüber Doldenblütlern hindeuten.
2. Symptome bei der Mutter
Wenn die stillende Mutter den Tee trinkt, können folgende allergische Symptome auftreten:
- Oraler Bereich: Kribbeln oder Brennen im Mund, Anschwellen der Lippen oder der Zunge (Oralis-Allergie-Syndrom).
- Haut: Nesselsucht (Urtikaria), Rötungen oder Juckreiz.
- Atemwege: In seltenen Fällen Fließschnupfen oder asthmatische Beschwerden.
- Verdauung: Übelkeit, Bauchschmerzen oder Blähungen (obwohl der Tee eigentlich dagegen helfen soll).
3. Reaktionen beim Baby
Die ätherischen Öle des Tees (z. B. Anethol aus Anis und Fenchel) gehen in geringen Mengen in die Muttermilch über.
- Hautreaktionen: Es ist theoretisch möglich, dass ein empfindliches Baby mit Hautausschlag reagiert.
- Magen-Darm-Beschwerden: Während Stilltee meist gegen Blähungen beim Baby eingesetzt wird, können manche Babys paradox reagieren und bei Unverträglichkeit mit verstärkten Unruhezuständen oder Bauchschmerzen reagieren.
- Wichtig: Echte allergische Reaktionen beim Säugling nur durch die Spuren im Tee in der Muttermilch sind extrem selten, aber Unverträglichkeiten kommen vor.
4. Besonderheit: Fenchel und Estragol
Abgesehen von Allergien gibt es eine Empfehlung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) und der EMA bezüglich Fencheltee. Fenchel enthält den Stoff Estragol. In sehr hohen Dosen gilt dieser als potenziell gesundheitsschädlich. Daher wird empfohlen, Fencheltee (und somit auch Stilltee, der meist viel Fenchel enthält) nicht übermäßig und nicht über einen sehr langen Zeitraum literweise zu trinken. Zwei bis drei Tassen am Tag gelten als unbedenklich.
Was tun bei Verdacht?
- Tee absetzen: Wenn Sie oder Ihr Baby ungewöhnliche Symptome zeigen, lassen Sie den Stilltee für einige Tage weg und beobachten Sie, ob die Symptome verschwinden.
- Einzelkomponenten testen: Stilltees sind Mischungen. Manchmal wird nur ein Bestandteil nicht vertragen.
- Alternativen nutzen: Zur Förderung der Milchbildung sind eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr (Wasser, verdünnte Säfte), Ruhe, häufiges Anlegen und eine kalorienreiche Ernährung oft effektiver als spezieller Tee. Bockshornklee-Kapseln werden oft als Alternative zur Milchsteigerung genutzt (Achtung: auch hier sind Allergien bei Erdnussallergikern möglich, da Bockshornklee ein Hülsenfruchtgewächs ist).
- Arztbesuch: Bei starken Schwellungen, Atemnot oder großflächigen Ausschlägen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
Zusammenfassend: Ja, Anis, Fenchel und Kümmel können Allergien auslösen, besonders bei Menschen, die bereits unter Pollenallergien (Beifuß) leiden.