Können Bakterien auf der Haut mit der Zeit eine Resistenz gegen die antibakteriellen Wirkstoffe in Deodorants entwickeln?

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Die kurze Antwort lautet: Ja, das ist möglich. Bakterien auf der Haut können Mechanismen entwickeln, um die Wirkung von antibakteriellen Inhaltsstoffen in Deodorants zu überstehen.

Hier ist die detaillierte Erklärung, wie das passiert und welche Stoffe besonders problematisch sind:

1. Der Mechanismus der Selektion

Wenn man ein Deodorant mit antibakteriellen Wirkstoffen verwendet, werden die meisten geruchsbildenden Bakterien (wie Corynebacterium oder Staphylokokken) abgetötet. Es gibt jedoch oft einzelne Bakterien, die aufgrund von zufälligen Mutationen eine natürliche Widerstandsfähigkeit gegen den Wirkstoff besitzen.

  • Diese Überlebenden vermehren sich.
  • Mit der Zeit besteht die Bakterienpopulation in der Achselhöhle hauptsächlich aus diesen resistenten Stämmen.
  • Das Ergebnis: Das Deodorant wirkt nicht mehr so effektiv wie am Anfang.

2. Kritische Inhaltsstoffe

Besonders im Fokus der Wissenschaft standen in der Vergangenheit Wirkstoffe wie Triclosan.

  • Triclosan: Dieser Stoff wurde lange Zeit in antibakteriellen Seifen und Deos eingesetzt. Studien haben gezeigt, dass Bakterien nicht nur Resistenzen gegen Triclosan selbst entwickeln, sondern dass dies auch zu einer Kreuzresistenz gegen medizinische Antibiotika führen kann. Da Triclosan spezifische Angriffspunkte im Stoffwechsel der Bakterien hat, können diese lernen, diese Wege zu umgehen.
  • Wichtiger Hinweis: Aufgrund dieser Risiken ist Triclosan in der EU in vielen Produkten (besonders in solchen, die auf der Haut verbleiben) stark reglementiert oder wird von den Herstellern freiwillig kaum noch verwendet.

3. Aluminiumsalze und Alkohol

  • Alkohol: Er wirkt unspezifisch, indem er die Zellwand der Bakterien zerstört. Gegen diese physikalische Zerstörung können Bakterien nur sehr schwer eine echte genetische Resistenz entwickeln. Allerdings können sie Biofilme bilden, um sich zu schützen.
  • Aluminiumsalze (in Antitranspirantien): Sie wirken primär, indem sie die Schweißdrüsen verengen. Sie haben zwar auch eine antimikrobielle Wirkung, aber das Risiko einer echten Resistenzbildung gilt hier als geringer als bei spezifischen Bioziden wie Triclosan.

4. Veränderung des Haut-Mikrobioms

Ein weiteres Problem ist nicht nur die Resistenz, sondern die Verschiebung des ökologischen Gleichgewichts auf der Haut:

  • Deodorants töten oft wahllos alle Bakterien ab.
  • Nützliche Bakterien werden verdrängt.
  • Bestimmte Bakterienarten, die besonders hartnäckig sind (wie Actinobacteria), können sich massiv vermehren. Diese stehen im Verdacht, noch unangenehmere Gerüche zu erzeugen, was dazu führt, dass man das Gefühl hat, das Deo würde „versagen“.

Was kann man tun?

  1. Produktwechsel: Wenn man merkt, dass ein Deo nicht mehr wirkt, kann ein Wechsel der Wirkstoffklasse helfen (z. B. von einem alkoholbasierten Deo zu einem mit Natron oder umgekehrt).
  2. Verzicht auf unnötige Biozide: Achten Sie darauf, dass keine starken Desinfektionsmittel wie Triclosan enthalten sind.
  3. Hautflora schonen: Produkte verwenden, die den natürlichen pH-Wert der Haut unterstützen, um die „guten“ Bakterien zu fördern, die die geruchsbildenden Bakterien natürlich in Schach halten.

Zusammenfassend: Bakterien sind extrem anpassungsfähig. Ein dauerhafter Einsatz von spezifischen antibakteriellen Mitteln führt fast unweigerlich dazu, dass sich die Bakteriengemeinschaft auf der Haut verändert und unempfindlicher wird.