Gibt es Taschentücher mit speziellen Beschichtungen, die Viren und Bakterien direkt beim Schnäuzen abtöten können?

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Ja, es gibt tatsächlich Taschentücher mit speziellen Beschichtungen oder Imprägnierungen, die darauf ausgelegt sind, Viren und Bakterien abzutöten. Diese Produkte werden meist als „antivirale“ oder „hygienische“ Taschentücher vermarktet.

Hier sind die wichtigsten Details dazu, wie sie funktionieren und was man beachten sollte:

1. Wie funktionieren sie?

Diese Taschentücher bestehen meist aus mehreren Lagen. Die entscheidende Wirkung findet oft in der mittleren Lage statt. Sobald Feuchtigkeit (beim Schnäuzen also das Nasensekret) in das Tuch gelangt, werden die Wirkstoffe aktiviert.

Die häufigsten Wirkstoffe sind:

  • Zitronensäure und Äpfelsäure: Diese senken den pH-Wert im Tuch stark ab. Viele Erkältungsviren (wie Rhinoviren) sind säureempfindlich und werden dadurch inaktiviert.
  • Natriumlaurylsulfat (SLS): Ein Tensid, das die Fetthülle von bestimmten Viren (wie z. B. Influenzaviren) angreifen und zerstören kann.
  • Quaternäre Ammoniumverbindungen: Diese werden oft gegen Bakterien eingesetzt.

2. Bekannte Beispiele

Das bekannteste Produkt auf dem internationalen Markt sind die Kleenex Anti-Viral Taschentücher. In Deutschland und Europa gibt es immer wieder ähnliche Produkte von verschiedenen Herstellern oder Eigenmarken von Drogerien, die mit „antiviraler Wirkung“ werben.

3. Was ist der Nutzen?

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Taschentücher nicht den Schnupfen heilen. Sie töten die Viren nur innerhalb des Tuches ab. Der Hauptvorteil ist:

  • Reduzierung der Ansteckungsgefahr: Wenn man das benutzte Tuch liegen lässt oder es im Mülleimer landet, bleiben die Viren darin nicht stundenlang aktiv. Das Risiko, dass sich andere Familienmitglieder beim Entsorgen oder durch Berühren von Oberflächen anstecken, wird verringert.
  • Hände-Hygiene: Es wird verhindert, dass eine große Menge aktiver Viren durch das Papier auf die Hände durchschlägt (obwohl Händewaschen trotzdem unerlässlich bleibt).

4. Gibt es Nachteile?

  • Hautirritationen: Die enthaltenen Säuren können bei Menschen mit sehr empfindlicher Haut oder bei sehr häufigem Schnäuzen zu Reizungen an der Nase führen (obwohl die Wirkstoffe meist in der mittleren Lage eingeschlossen sind).
  • Preis: Sie sind in der Regel deutlich teurer als normale Zellstofftücher.
  • Resistenzbildung: Bei antibakteriellen Wirkstoffen (weniger bei antiviralen) gibt es oft die Sorge, dass eine übermäßige Verwendung die Bildung resistenter Keime fördern könnte.
  • Umwelt: Da sie chemisch behandelt sind, sollten sie im Restmüll entsorgt werden (wie alle benutzten Taschentücher) und sind für Kompostierung oder Recycling ungeeignet.

Fazit

Solche Taschentücher sind eine sinnvolle Ergänzung der Hygiene, besonders wenn man in einem Haushalt mit Kindern oder gefährdeten Personen lebt und die Infektionskette unterbrechen möchte. Ein „Muss“ sind sie für die Genesung jedoch nicht – hier helfen Ruhe, viel Trinken und klassische Hygienemaßnahmen (Händewaschen) genauso effektiv.