Warum beginnt menschlicher Schweiß erst durch Bakterien zu riechen?
Frischer menschlicher Schweiß ist von Natur aus eigentlich geruchlos. Dass wir ihn nach einiger Zeit als unangenehm wahrnehmen, liegt an einem biologischen Zersetzungsprozess.
Hier ist die schrittweise Erklärung, warum das so ist:
1. Die Zusammensetzung von Schweiß
Der Mensch besitzt zwei verschiedene Arten von Schweißdrüsen:
- Ekkrine Drüsen: Sie verteilen sich über den ganzen Körper und produzieren einen wässrigen Schweiß (bestehend aus Wasser, Salz, etwas Harnstoff und Milchsäure), der primär der Kühlung dient. Dieser Schweiß riecht fast nie.
- Apokrine Drüsen (Duftdrüsen): Diese befinden sich vor allem in den Achselhöhlen, im Genitalbereich und an den Brustwarzen. Dieser Schweiß ist zähflüssiger und enthält neben Wasser auch Proteine, Fette (Lipide) und Hormone.
2. Die Rolle der Bakterien
Auf unserer Haut lebt ein natürliches Ökosystem aus Mikroorganismen, das sogenannte Haut-Mikrobiom. Besonders in feucht-warmen Bereichen wie den Achseln siedeln sich Bakterien (vor allem Staphylokokken und Corynebakterien) massenhaft an.
Diese Bakterien benötigen Nahrung, um zu überleben. Der apokrine Schweiß mit seinen Proteinen und Fettsäuren ist für sie wie ein "Buffet".
3. Der Zersetzungsprozess (Metabolismus)
Wenn der Schweiß aus der Pore tritt, stürzen sich die Bakterien darauf und beginnen, die darin enthaltenen langkettigen, geruchlosen Moleküle in kleinere Bruchstücke zu zerlegen. Dabei entstehen Stoffwechsel-Abfallprodukte, die flüchtig sind – das heißt, sie steigen in die Luft auf und gelangen in unsere Nase.
Die typischen Geruchskomponenten sind:
- Ameisensäure, Buttersäure und Essigsäure: Diese sorgen für den stechenden, säuerlichen Geruch.
- Schwefelverbindungen (Thiole): Diese riechen oft sehr intensiv nach Zwiebeln oder "muffig".
- Androstene: Diese Abbauprodukte von Hormonen können einen herben, moschusartigen Geruch haben.
Zusammenfassend:
Die Bakterien "essen" den Schweiß und scheiden dabei stinkende Gase aus. Ohne diese Bakterien könnten wir literweise schwitzen, ohne dass es zu einer Geruchsbelästigung käme.
Übrigens: Deodorants setzen genau hier an. Sie enthalten meist antibakterielle Stoffe, um die Zahl der Bakterien zu reduzieren, oder Duftstoffe, um die Abfallprodukte der Bakterien zu überdecken. Antitranspirante hingegen enthalten oft Aluminiumsalze, die die Schweißdrüsen vorübergehend verengen, damit den Bakterien erst gar keine "Nahrung" geliefert wird.