Kann die Nutzung eines Schnullers zu Saugverwirrung beim Stillen führen?

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Ja, die Nutzung eines Schnullers kann tatsächlich zu einer sogenannten Saugverwirrung führen, besonders in den ersten Lebenswochen.

Hier ist die Erklärung, warum das passiert und worauf man achten sollte:

1. Warum kommt es zur Saugverwirrung?

Das Saugen an der Mutterbrust und das Saugen an einem Schnuller (oder einer Flasche) sind zwei völlig unterschiedliche Bewegungsabläufe für das Baby:

  • An der Brust: Das Baby muss den Mund weit öffnen, die Brustwarze tief in den Mund nehmen und mit der Zunge eine wellenförmige Bewegung machen, um Milch zu gewinnen. Dies erfordert Kraft und die Koordination vieler Muskeln.
  • Am Schnuller: Der Schnuller ist meist schmaler und fester. Das Baby muss den Mund nicht so weit öffnen. Da aus dem Schnuller keine Milch kommt, ist die Zungentechnik anders (eher ein „Festhalten“ oder leichtes Nuckeln).

Wenn ein Baby zwischen diesen Techniken wechseln muss, bevor das Stillen richtig gelernt wurde, kann es passieren, dass es versucht, die „Schnuller-Technik“ an der Brust anzuwenden. Das führt dazu, dass es nicht mehr effektiv trinkt, die Brustwarze wund beißt oder die Brust ganz verweigert.

2. Die Gefahr für die Milchmenge

Ein weiteres Problem ist nicht nur die Technik, sondern das Saugbedürfnis. Wenn ein Baby sein Saugbedürfnis am Schnuller stillt, verbringt es weniger Zeit an der Brust. Da die Milchproduktion nach dem Prinzip „Angebot und Nachfrage“ funktioniert, kann die Milchmenge zurückgehen, wenn das Baby weniger oft und weniger effektiv saugt.

3. Empfehlungen von Experten (WHO und Hebammen)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Stillberaterinnen empfehlen meist:

  • Warten, bis das Stillen gefestigt ist: In der Regel dauert es etwa 4 bis 6 Wochen, bis sich das Stillen zwischen Mutter und Kind gut eingespielt hat. Erst wenn das Baby problemlos andockt, gut zunimmt und die Mutter keine Schmerzen hat, sollte ein Schnuller eingeführt werden.
  • Gezielter Einsatz: Der Schnuller sollte kein Ersatz für Nahrung oder Nähe sein, sondern gezielt zur Beruhigung eingesetzt werden, wenn alle anderen Bedürfnisse (Hunger, volle Windel, Kuschelbedürfnis) gestillt sind.

4. Anzeichen für eine Saugverwirrung

Falls du einen Schnuller verwendest, achte auf diese Anzeichen:

  • Das Baby schnappt nach der Brustwarze, lässt sie aber sofort wieder los.
  • Es wirkt frustriert oder schreit an der Brust.
  • Es öffnet den Mund beim Anlegen nicht weit genug.
  • Die Brustwarzen der Mutter werden wund oder schmerzen beim Stillen.

Gibt es Ausnahmen?

Manche Babys sind sehr robust und kommen von Anfang an mit beidem klar. Bei Frühgeborenen wird der Schnuller manchmal sogar therapeutisch eingesetzt, um den Saugreflex zu trainieren. Dennoch bleibt bei gesunden Neugeborenen das Risiko einer Saugverwirrung in der Anfangszeit bestehen.

Fazit: Um den Stillerfolg nicht zu gefährden, ist es ratsam, in den ersten Wochen auf den Schnuller zu verzichten, bis das Team aus Mutter und Kind „profi-mäßig“ eingespielt ist. Wenn du unsicher bist, ist eine Stillberaterin oder deine Hebamme die beste Ansprechperson.