Wie hygienisch ist die dauerhafte Nutzung eines Schnullers im Hinblick auf Keimbelastung?
Die dauerhafte Nutzung eines Schnullers ist aus hygienischer Sicht ein sensibles Thema, da Schnuller ideale Nährböden für Mikroorganismen bieten. Da sie ständig mit Speichel, Hautkontakt, der Umgebungsluft und oft auch dem Boden in Berührung kommen, ist die Keimbelastung ein Faktor, den Eltern genau beobachten sollten.
Hier ist eine detaillierte Analyse der Keimbelastung und der hygienischen Aspekte:
1. Die mikrobielle Besiedlung
Studien haben gezeigt, dass Schnuller bereits nach kurzer Zeit mit einer Vielzahl von Mikroorganismen besiedelt sind. Dazu gehören:
- Bakterien: Häufig finden sich Staphylokokken, Streptokokken (auch kariesauslösende Streptococcus mutans) und Darmbakterien (wenn der Schnuller herunterfällt).
- Pilze: Besonders häufig ist Candida albicans, der Erreger von Mundsoor. Pilze nisten sich gerne in mikroskopisch kleinen Rissen im Material ein.
- Biofilme: Bei dauerhafter Nutzung bildet sich auf der Oberfläche ein sogenannter Biofilm – eine Schleimschicht aus Bakterien, die sehr widerstandsfähig gegen einfaches Abspülen ist.
2. Materialermüdung als Hygienefalle
Je länger ein Schnuller in Gebrauch ist, desto mehr verändert sich die Materialoberfläche:
- Latex (Naturkautschuk): Dieses Material ist porös. Mit der Zeit quillt es auf und bekommt winzige Risse, in denen sich Keime festsetzen können, die durch normales Auskochen kaum noch erreicht werden.
- Silikon: Es ist zwar glatter und hitzebeständiger, wird aber durch erste Zähnchen oft rissig. In diesen feinen Schnitten sammeln sich Speichelreste und Bakterien.
3. Das Risiko des „Sauberleckens“
Ein weit verbreiteter Reflex ist es, den heruntergefallenen Schnuller kurz in den eigenen Mund zu nehmen.
- Vorteil: Es gibt Studien (z.B. aus Schweden), die darauf hindeuten, dass der Kontakt mit elterlichen Keimen das Immunsystem stimulieren und das Allergierisiko senken könnte.
- Nachteil: Eltern übertragen damit Kariesbakterien oder Parodontitis-Erreger auf das Kind. Aus streng hygienischer Sicht ist das Abspülen unter fließendem Wasser oder die Nutzung eines Ersatzschnullers vorzuziehen.
4. Mögliche gesundheitliche Folgen hoher Keimbelastung
Wenn die Hygiene vernachlässigt wird, kann die Keimbelastung zu Problemen führen:
- Mundsoor: Weiße Beläge im Mund, die schmerzhaft sein können.
- Mittelohrentzündungen: Studien deuten darauf hin, dass intensives Schnullern das Risiko für Mittelohrentzündungen erhöht, da Keime aus dem Nasen-Rachen-Raum durch den Saugvorgang und Druckveränderungen leichter in die Eustachische Röhre gelangen können.
- Magen-Darm-Infekte: Durch verunreinigte Schnuller können Erreger direkt in den Verdauungstrakt gelangen.
5. Empfehlungen für eine hygienische Nutzung
Um die Keimbelastung gering zu halten, sollten folgende Regeln beachtet werden:
- Regelmäßiges Auskochen: Bei Säuglingen (0–6 Monate) sollte der Schnuller täglich sterilisiert werden (5 Minuten im kochenden Wasser oder im Vaporisator). Bei älteren Kindern reicht alle 2–3 Tage oder bei sichtbarer Verschmutzung.
- Regelmäßiger Austausch: Ein Schnuller sollte alle 1 bis 2 Monate durch einen neuen ersetzt werden – unabhängig davon, wie sauber er aussieht.
- Lagerung: Schnuller sollten trocken und an der Luft (oder in speziellen Boxen mit Belüftung) gelagert werden. Feuchtigkeit fördert das Keimwachstum.
- Prüfung: Vor jedem Gebrauch kurz am Sauger ziehen. Zeigen sich Verfärbungen, Risse oder klebrige Stellen, muss der Schnuller sofort entsorgt werden.
Fazit
Die dauerhafte Nutzung eines einzelnen Schnullers ist unhygienisch, da sich trotz Reinigung Keime in Materialschäden und Biofilmen ansammeln. Die dauerhafte Gewohnheit des Schnullerns ist hingegen hygienisch vertretbar, sofern der Schnuller regelmäßig sterilisiert und konsequent alle 4-8 Wochen gegen ein Neumodell ausgetauscht wird.