Kann der regelmäßige Gebrauch eines Schnullers die Sprachentwicklung verzögern?
Ja, der regelmäßige und vor allem übermäßige Gebrauch eines Schnullers kann die Sprachentwicklung verzögern oder beeinträchtigen. Experten (Logopäden, Kinderärzte und Zahnärzte) warnen davor, dass der Schnuller zum „Dauereinsatz“ wird.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum ein Schnuller die Sprachentwicklung negativ beeinflussen kann:
1. Eingeschränktes Training der Mundmuskulatur
Um sprechen zu lernen, muss ein Kind seine Lippen, die Zunge und den Kiefer präzise koordinieren.
- Zungenfehllage: Wenn der Schnuller im Mund ist, liegt die Zunge meist passiv am Mundboden oder wird nach vorne gegen den Schnuller gepresst. Für Laute wie „s“, „t“, „d“, „n“ oder „l“ muss die Zunge jedoch lernen, sich präzise gegen den oberen Gaumen oder die Zähne zu bewegen.
- Schwache Muskulatur: Durch das reine Saugen werden die Muskeln, die für die Artikulation wichtig sind, nicht vielseitig genug trainiert.
2. Kiefer- und Zahnfehlstellungen
Dauerhaftes Schnullern kann zu einem sogenannten „lutschoffenen Biss“ führen. Dabei entsteht eine Lücke zwischen den oberen und unteren Schneidezähnen.
- Dies führt oft dazu, dass das Kind beim Sprechen mit der Zunge durch die Lücke stößt (Lispeln oder Sigmatismus). Solche Fehlstellungen lassen sich später oft nur mühsam logopädisch oder kieferorthopädisch korrigieren.
3. Fehlende Sprechanlässe und „verwaschene“ Aussprache
- Weniger Geplapper: Kinder, die ständig einen Schnuller im Mund haben, neigen dazu, weniger zu „lallen“ oder zu brabbeln – beides sind wichtige Vorstufen des Sprechens.
- Barriere: Wenn ein Kind mit Schnuller im Mund versucht zu sprechen, ist die Aussprache undeutlich und verwaschen. Wenn Eltern das Kind trotzdem verstehen oder gar nicht erst zum Sprechen animieren (weil der Schnuller den Mund „stopft“), fehlt der Anreiz, die Aussprache zu präzisieren.
4. Erhöhtes Risiko für Mittelohrentzündungen
Studien deuten darauf hin, dass häufiges Schnullern das Risiko für Mittelohrentzündungen erhöhen kann (durch veränderte Druckverhältnisse im Rachenraum, die die Belüftung des Mittelohrs stören).
- Häufige Ohrentzündungen oder Flüssigkeit hinter dem Trommelfell führen dazu, dass das Kind schlechter hört. Wer schlechter hört, lernt die Nuancen der Sprache langsamer und fehlerhafter.
Was wird empfohlen?
Man muss den Schnuller nicht sofort verteufeln, aber der Umgang sollte bewusst sein:
- Nur zum Schlafen oder Trösten: Der Schnuller sollte kein Dauerbegleiter beim Spielen oder Entdecken sein. Sobald das Kind beruhigt ist oder spielt, sollte der Schnuller aus dem Mund.
- Sprechverbot mit Schnuller: Gewöhnen Sie sich an: Wenn das Kind etwas sagen möchte, kommt der Schnuller kurz raus. So lernt das Kind, dass man zum Kommunizieren einen freien Mund braucht.
- Die richtige Form: Nutzen Sie kiefergerechte (sehr dünner Schaft) und altersgerechte Schnuller.
- Rechtzeitige Entwöhnung: Logopäden empfehlen, den Schnuller bis zum 2. Geburtstag, spätestens aber bis zum 3. Geburtstag, komplett abzugewöhnen, um Langzeitschäden an Kiefer und Sprache zu vermeiden.
Fazit: Ein Schnuller an sich ist kein Problem, solange er gezielt und zeitlich begrenzt eingesetzt wird. Problematisch wird es, wenn er die Zunge an der Bewegung hindert und das Kind daran hindert, aktiv mit seiner Umwelt lautmalerisch und sprachlich zu interagieren.