Inwiefern beeinträchtigt der häufige Gebrauch von Lutschern die Kieferentwicklung bei Kindern?
Der häufige Gebrauch von Lutschern (Dauerlutschern) kann die Kieferentwicklung bei Kindern auf ähnliche Weise beeinträchtigen wie intensives Daumenlutschen oder der zu lange Gebrauch eines Schnullers. Da sich der Kiefer von Kindern noch im Wachstum befindet und sehr formbar ist, haben äußere Druckeinwirkungen direkte Folgen.
Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:
1. Verformung des Kiefers (Lutschoffener Biss)
Die häufigste Folge ist der sogenannte „lutschoffene Biss“. Wenn ein Kind ständig einen Lutscher im Mund hat, verhindert der Stab bzw. der Bonbon-Teil, dass die Schneidezähne beim Zusammenbeißen aufeinandertreffen.
- Es entsteht eine kreisförmige Lücke zwischen den oberen und unteren Frontzähnen.
- Dies kann das Abbeißen erschweren und führt oft dazu, dass die Zunge beim Schlucken oder Sprechen in diese Lücke drückt, was das Problem weiter verstärkt.
2. Narrowing of the Upper Jaw (Kreuzbiss)
Durch das Saugen entsteht im Mund ein Unterdruck. Gleichzeitig drückt die Wangenmuskulatur von außen gegen den Oberkiefer.
- Der Oberkiefer kann sich dadurch verengen und verformen (V-Form statt U-Form).
- Dies führt oft zu einem seitlichen Kreuzbiss, bei dem die oberen Backenzähne nicht mehr korrekt auf die unteren passen, sondern innerhalb der unteren Zähne beißen.
3. Protrusion (Vorgeschobene Zähne)
Der Druck des Lutschers (oder des Stocks) kann die oberen Schneidezähne nach vorne drücken („Hasenzähne“), während die unteren Schneidezähne eher nach innen gekippt werden. Dies vergrößert die Stufe zwischen Ober- und Unterkiefer (Distalbiss).
4. Beeinträchtigung der Zungenlage und Sprache
Ein dauerhafter Fremdkörper im Mund gewöhnt der Zunge eine falsche Ruheposition an (meist am Mundboden statt am Gaumen).
- Dies kann zu Lispeln (Sigmatismus) führen, da die Zunge gewohnt ist, durch die entstandenen Zahnlücken zu gleiten.
- Eine falsche Zungenlage kann wiederum die korrekte Ausformung des Gaumens behindern.
5. Das zusätzliche Problem: Karies und Platzhalterfunktion
Im Gegensatz zum Schnuller oder Daumen kommt beim Lutscher das massive Problem des Zuckers hinzu.
- Zahnfäule (Karies): Durch das lange Umspülen der Zähne mit Zuckerlösung werden die Milchzähne zerstört.
- Vorzeitiger Zahnverlust: Müssen Milchzähne aufgrund von Karies vorzeitig gezogen werden, fehlen sie als „Platzhalter“ für die bleibenden Zähne. Die verbleibenden Zähne wandern in die Lücken, was später zu extremem Platzmangel und schweren Fehlstellungen der bleibenden Zähne führt.
Was macht den Lutscher im Vergleich zum Schnuller gefährlicher?
- Dauer: Lutscher werden oft über einen langen Zeitraum im Mund behalten, bis sie sich aufgelöst haben.
- Härte: Im Gegensatz zu weichem Silikon oder Kautschuk bei Schnullern ist ein Lutscher hart. Der Druck auf Kiefer und Zähne ist dadurch unnachgiebiger.
- Chemisches Milieu: Die Kombination aus mechanischer Verformung und chemischem Angriff (Zucker/Säure) schädigt das Gebiss doppelt.
Empfehlung
- Zeitliche Begrenzung: Wenn Lutscher konsumiert werden, dann eher als seltene Ausnahme und nicht als tägliche Gewohnheit.
- Zähneputzen: Danach unbedingt die Zähne reinigen (oder zumindest den Mund mit Wasser ausspülen).
- Frühzeitige Kontrolle: Ein Besuch beim Zahnarzt oder Kieferorthopäden kann schon im Kleinkindalter zeigen, ob sich bereits Fehlentwicklungen abzeichnen. Viele Fehlstellungen bilden sich von selbst zurück, wenn die Gewohnheit vor dem 3. Lebensjahr eingestellt wird.