Können künstliche Farbstoffe in Orangenlimonade Hyperaktivität bei Kindern fördern?

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Ja, es gibt wissenschaftliche Hinweise darauf, dass bestimmte künstliche Farbstoffe, die häufig in Erfrischungsgetränken wie Orangenlimonade verwendet werden, Hyperaktivität und Aufmerksamkeitsprobleme bei Kindern fördern können.

Hier sind die wichtigsten Fakten zu diesem Thema:

1. Die „Southampton-Studie“ (2007)

Der Zusammenhang wurde vor allem durch eine einflussreiche Studie der Universität Southampton bekannt. Forscher untersuchten den Effekt von Mischungen bestimmter Farbstoffe zusammen mit dem Konservierungsstoff Natriumbenzoat auf Kinder. Das Ergebnis: Bei den Kindern, die diese Mischungen tranken, wurde ein Anstieg von hyperaktivem Verhalten beobachtet – unabhängig davon, ob sie zuvor bereits ADHS-Symptome hatten oder nicht.

2. Die „Southampton-Six“ (Die kritischen Farbstoffe)

Aufgrund dieser Studienergebnisse hat die Europäische Union (EU) reagiert. Sechs Farbstoffe (oft als „Southampton-Six“ bezeichnet) müssen seit 2010 in der EU auf der Verpackung mit einem speziellen Warnhinweis versehen werden:

  • E 102 (Tartrazin) – Gelb
  • E 104 (Chinolingelb) – Gelb
  • E 110 (Gelborange S) – Besonders häufig in Orangenlimonade
  • E 122 (Azorubin) – Rot
  • E 124 (Cochenillerot A) – Rot
  • E 129 (Allurarot AC) – Rot

3. Der gesetzliche Warnhinweis

Wenn einer dieser Stoffe in einer Orangenlimonade enthalten ist, muss auf dem Etikett folgender Satz stehen:

„Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen.“

4. Die Situation heute in Deutschland/EU

Da dieser Warnhinweis für Hersteller verkaufsschädigend ist, haben viele Getränkeproduzenten (vor allem große Marken wie Fanta oder Sprite) ihre Rezepturen umgestellt. Anstelle der künstlichen Farbstoffe verwenden sie heute oft:

  • Natürliche Farbstoffe: Zum Beispiel Beta-Carotin (E 160a) oder Apfelsaftkonzentrat.
  • Färbende Lebensmittel: Wie Extrakt aus Kürbis, Karotte oder Saflor.

Diese natürlichen Alternativen gelten als unbedenklich in Bezug auf Hyperaktivität.

5. Individuelle Empfindlichkeit

Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jedes Kind gleich reagiert. Es handelt sich um eine statistische Wahrscheinlichkeit. Kinder, die bereits eine Veranlagung zu ADHS haben, scheinen jedoch besonders empfindlich auf diese Zusatzstoffe zu reagieren. Die Farbstoffe verursachen ADHS nicht im Alleingang, können aber die Symptome (Unruhe, Konzentrationsschwäche) verstärken.

6. Zusammenspiel mit Zucker

In Orangenlimonade kommt oft ein zweiter Faktor hinzu: der hohe Zuckergehalt. Während die Wissenschaft noch darüber streitet, ob Zucker direkt Hyperaktivität auslöst (der sogenannte „Sugar Rush“), ist die Kombination aus schnellem Blutzuckeranstieg und künstlichen Zusatzstoffen für die Konzentrationsfähigkeit von Kindern generell ungünstig.

Fazit

Wenn Sie auf Nummer sicher gehen wollen, sollten Sie beim Kauf von Orangenlimonade auf die Zutatenliste schauen. Steht dort einer der oben genannten E-Nummern (vor allem E 110 oder E 102) oder der Warnhinweis, ist Vorsicht geboten. In deutschen Supermärkten finden sich jedoch mittlerweile sehr viele Limonaden, die ohne diese kritischen Farbstoffe auskommen.