Gibt es gesundheitliche Bedenken bei der dunklen Kruste von Röggelchen bezüglich des Acrylamidgehalts?

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Ja, es gibt bei Röggelchen – wie bei vielen stark gebackenen Getreideprodukten – berechtigte gesundheitliche Aspekte hinsichtlich des Acrylamidgehalts, die man kennen sollte.

Hier ist eine detaillierte Analyse der Situation:

1. Warum sind Röggelchen besonders betroffen?

Röggelchen bergen ein höheres Potenzial für Acrylamid als herkömmliche Weizenbrötchen, und zwar aus zwei Hauptgründen:

  • Der Roggenanteil: Roggen enthält im Vergleich zu Weizen einen deutlich höheren Anteil an der Aminosäure Asparagin. Asparagin ist der entscheidende Vorläuferstoff, der zusammen mit Zucker bei hohen Temperaturen (über 120 °C) zu Acrylamid reagiert.
  • Die dunkle Kruste: Röggelchen werden traditionell kräftig und dunkel ausgebacken. Da Acrylamid vor allem in den Randschichten (der Kruste) entsteht, gilt die Faustregel: Je dunkler die Kruste, desto höher der Acrylamidgehalt.

2. Was ist Acrylamid und warum ist es bedenklich?

Acrylamid entsteht bei der sogenannten Maillard-Reaktion (Bräunungsreaktion). In Tierstudien hat sich die Substanz als erbgutschädigend und krebserzeugend erwiesen. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geht davon aus, dass dies auch für den Menschen zutrifft, obwohl eindeutige epidemiologische Belege am Menschen schwierig zu führen sind.

Es gibt keinen "sicheren" Schwellenwert, weshalb das Minimierungsgebot (ALARA-Prinzip: As Low As Reasonably Achievable) gilt.

3. Entwarnung durch traditionelle Backweise?

Es gibt einen Faktor, der den Acrylamidgehalt bei Röggelchen wiederum senken kann: Sauerteig.

  • Die langen Teigruhezeiten und die Fermentation durch Milchsäurebakterien im Sauerteig bauen einen Teil des Asparagins ab, bevor das Brötchen in den Ofen kommt.
  • Handwerklich hergestellte Röggelchen mit langer Teigführung sind daher oft weniger belastet als industriell gefertigte Teiglinge, die schnell hochgetrieben werden.

4. Einordnung und Empfehlungen

Man muss Röggelchen nicht vom Speiseplan streichen, aber man sollte bewusst damit umgehen:

  • Vergolden statt Verkohlen: Die Kruste sollte tiefbraun, aber nicht schwarz sein. Verkohlte Stellen sollten großzügig abgeschnitten werden, da dort die Konzentration am höchsten ist.
  • Abwechslung: Essen Sie nicht ausschließlich extrem dunkel gebackene Roggenprodukte. Ein Wechsel zwischen verschiedenen Getreidesorten und Backgraden reduziert die Gesamtaufnahme.
  • EU-Richtwerte: Seit 2018 gibt es eine EU-Verordnung (2017/2158) mit Minimierungsmaßnahmen für Bäcker. Die Richtwerte für Brot aus Roggenmehl liegen etwas höher als für Weizenbrot, eben weil Roggen von Natur aus mehr Vorläuferstoffe mitbringt. Profi-Bäcker sind angehalten, diese Werte durch Temperatursteuerung und Rezeptur anzupassen.

Fazit

Ja, die dunkle Kruste von Röggelchen enthält aufgrund des Roggenanteils und der starken Bräunung tendenziell mehr Acrylamid als andere Brötchen. Gesundheitliche Bedenken bestehen vor allem bei regelmäßigem, hohem Konsum sehr dunkel oder schwarz gebackener Produkte. Wenn Sie Röggelchen als Genussmittel im Rahmen einer ausgewogenen Ernährung verzehren und auf "tiefbraun statt schwarz" achten, ist das Risiko nach aktuellem Kenntnisstand vertretbar.

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