Warum werden Röggelchen oft bereits nach wenigen Stunden sehr hart?
Dass Röggelchen (die typischen rheinischen Roggenmischbrötchen) oft schon nach wenigen Stunden zäh oder hart werden, liegt an einer Kombination aus ihrer speziellen Zusammensetzung und physikalischen Prozessen beim Abkühlen.
Hier sind die Hauptgründe für dieses Phänomen:
1. Hoher Roggenanteil und Wasserbindung
Röggelchen bestehen zu mindestens 50 % aus Roggenmehl (oft mehr). Roggenmehl enthält im Gegensatz zu Weizenmehl kaum Klebereiweiß (Gluten), das ein stabiles Gerüst bilden könnte. Stattdessen binden Schleimstoffe (Pektosane) das Wasser.
- Das Problem: Roggengebäcke geben Feuchtigkeit schneller an die Kruste ab als reine Weizengebäcke, wenn sie kleinformatig sind. Da Röggelchen klein sind, findet dieser Feuchtigkeitsaustausch sehr schnell statt.
2. Die Retrogradation (Stärke-Rückbildung)
Dies ist der chemische Hauptgrund für das Altbackenwerden. Sobald das Brötchen aus dem Ofen kommt, beginnt die verkleisterte Stärke, das während des Backens gebundene Wasser wieder abzugeben und in einen kristallinen Zustand zurückzukehren.
- Bei kleinen Gebäcken wie Röggelchen ist das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen sehr groß. Das abgegebene Wasser wandert in die Kruste und verdunstet von dort in die Luft. Das Ergebnis: Die Krume wird trocken und hart, die Kruste erst zäh und dann ebenfalls fest.
3. Die „Rösche“ und die Kruste
Röggelchen werden traditionell sehr kräftig und heiß gebacken, oft „doppelt“ (als Paar) aneinanderliegend. Die typische Kruste ist beim Kauf meist sehr knusprig (rösch).
- Diese Knusprigkeit hält bei Brötchen mit Roggenanteil naturgemäß kürzer an. Roggen zieht Feuchtigkeit aus der Umgebungsluft stärker an als Weizen. Schon nach kurzer Zeit nimmt die Kruste Feuchtigkeit aus der Luft oder aus dem Inneren des Brötchens auf. Sie verliert den „Biss“ und wird ledrig oder eben hart, wenn die Feuchtigkeit komplett verflogen ist.
4. Kurze Teigführung (bei industrieller Herstellung)
In vielen modernen Bäckereien wird die Teigruhe verkürzt. Ein Teig, der nicht lange genug reifen durfte, kann das Wasser nicht so stabil im Inneren binden. Traditionell hergestellte Röggelchen mit echtem Sauerteig bleiben deutlich länger frisch, da die Säure die Stärke stabilisiert und die Feuchtigkeit besser hält. Viele „schnelle“ Röggelchen aus Großbäckereien verzichten auf lange Reifezeiten, was sie extrem schnell altern lässt.
5. Das Format
Da Röggelchen meist paarweise gebacken werden, haben sie an den Seiten keine Kruste (die Bruchstelle). Über diese offenen Stellen entweicht die Feuchtigkeit der Krume noch viel schneller als bei einem rundum geschlossenen Brötchen.
Tipps gegen das Hartwerden:
- Lagerung: Röggelchen sollten nicht in der Papiertüte bleiben (diese entzieht Feuchtigkeit). Eine Stofftasche oder ein Brotkasten sind besser, verhindern aber das Zähwerden nur bedingt.
- Aufbacken: Röggelchen lassen sich hervorragend regenerieren. Einfach kurz mit etwas Wasser befeuchten und für 3–5 Minuten in den heißen Ofen oder auf den Toaster-Aufsatz geben. Dadurch wird die Stärke kurzzeitig wieder „weich“ und die Kruste knusprig.
- Einfrieren: Wenn man sie nicht innerhalb von 2–3 Stunden isst, sollte man sie direkt frisch einfrieren und bei Bedarf kurz aufbacken.