Führt das Verstopfen von Wasserablauflöchern durch Unterbodenschutz zu Durchrostungen?
Ja, definitiv. Das Verstopfen von Wasserablauflöchern durch Unterbodenschutz ist eine der häufigsten Ursachen für schwere Durchrostungen, die oft lange unbemerkt bleiben.
Hier ist die Erklärung, warum das so gefährlich für das Fahrzeug ist:
1. Das Prinzip der Entwässerung
Fahrzeugkarosserien sind nicht luftdicht. In Hohlräume (wie Schweller, Türen oder Säulen) gelangt immer Feuchtigkeit – sei es durch Regen, Spritzwasser oder schlicht durch Kondenswasser bei Temperaturwechseln. Damit dieses Wasser abfließen kann, konstruieren Hersteller an den tiefsten Punkten kleine Ablauflöcher oder Schlitze.
2. Was passiert bei Verstopfung?
Wenn diese Löcher bei einer Unterbodenbehandlung (besonders mit dicken Bitumen-Schichten) versehentlich „zugekleistert“ werden, passiert Folgendes:
- Stauwasser: Das Wasser sammelt sich im Inneren des Hohlraums.
- Feuchtbiotop: Da keine Luft zirkulieren kann, trocknet der Hohlraum nicht mehr aus. Es entsteht eine dauerhaft feuchte Atmosphäre.
- Rost von innen nach außen: Da die meisten Hohlräume ab Werk nur dünn grundiert oder unzureichend geschützt sind, beginnt das Metall von innen zu fressen. Das Tückische: Von außen sieht der Unterbodenschutz perfekt aus, während das Blech dahinter bereits instabil wird.
3. Das Problem mit Bitumen-Unterbodenschutz
Älterer oder billiger Unterbodenschutz auf Bitumenbasis wird mit den Jahren spröde und bekommt feine Risse.
- Durch den Kapillareffekt wird Wasser in diese Risse gezogen.
- Wenn gleichzeitig die Ablauflöcher verstopft sind, kann die Feuchtigkeit nirgendwohin entweichen.
- Unter der schwarzen Schicht bildet sich eine Rostschicht, die den Unterbodenschutz sogar noch leicht anhebt, was man aber oft erst bemerkt, wenn man mit dem Schraubenzieher durch das „gesunde“ Schwarz direkt ins Leere sticht.
4. Betroffene Stellen
Besonders kritisch sind:
- Schweller: Hier sammelt sich das meiste Kondenswasser. Verstopfte Abläufe führen hier oft zum Totalausfall bei der HU (TÜV).
- Türen: Wenn die Abläufe unten an der Türkante zu sind, stehen die Türen nach einem Regen buchstäblich voll Wasser.
- Radläufe: Hier setzen sich Schmutz und Unterbodenschutz oft in den Kanten ab.
Wie man es richtig macht:
- Löcher freihalten: Nach dem Auftragen von Unterbodenschutz sollten alle Ablauflöcher mit einem kleinen Draht, einem Zahnstocher oder einem Schraubendreher sofort wieder freigestochen werden.
- Wachs oder Fett statt Bitumen: Moderne Produkte auf Wachsbasis (oder Fette wie Mike Sander’s) bleiben kriechfähig. Sie verstopfen Löcher seltener dauerhaft und reißen nicht.
- Hohlraumversiegelung: Statt nur von außen zu sprühen, sollten die Hohlräume mit speziellem Hohlraumwachs/-fett geschützt werden. Dieses verdrängt Wasser und versiegelt die Oberfläche im Inneren.
Fazit: Ein „gut gemeinter“ Unterbodenschutz, der die Entwässerung behindert, richtet oft mehr Schaden an, als wenn man gar nichts gemacht hätte. Es lohnt sich, nach einer Behandlung die Abläufe an den Schwellern und Türen kritisch zu kontrollieren.