Können Risse in altem Bitumen-Unterbodenschutz Feuchtigkeit einschließen und Korrosion fördern?

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Ja, absolut. Das ist sogar eines der tückischsten Probleme bei der Fahrzeugrestaurierung und -pflege. Altes Bitumen ist oft die Hauptursache für schwere, unbemerkt bleibende Korrosionsschäden.

Hier ist die detaillierte Erklärung, warum das passiert und warum es so gefährlich für das Metall ist:

1. Der Prozess der Verspödung

Bitumen-Unterbodenschutz enthält Lösungsmittel und Weichmacher, die ihn anfangs flexibel halten. Über die Jahre (meist nach 5 bis 10 Jahren) verflüchtigen sich diese Stoffe. Das Material wird hart, unelastisch und spröde. Durch Vibrationen, Steinschläge und Verwindungen der Karosserie entstehen dann feine Haarrisse.

2. Die Kapillarwirkung

Sobald Risse vorhanden sind, dringt Wasser (oft zusammen mit Streusalz im Winter) in diese Spalten ein. Durch die Kapillarwirkung wird die Feuchtigkeit regelrecht unter die Bitumenschicht gesogen.

3. Der "Treibhaus-Effekt" (Einschluss der Feuchtigkeit)

Hier liegt das Hauptproblem: Während das Wasser leicht hineinkommt, kann es nicht mehr verdunsten. Das Bitumen wirkt wie eine wasserdichte Glocke über der Schadstelle.

  • Kein Luftaustausch: Die Feuchtigkeit bleibt permanent am Metall.
  • Elektrolyt: Wenn Salz dabei ist, wird die Korrosion massiv beschleunigt.
  • Temperatur: Da der Unterbodenschutz oft schwarz ist, heizt er sich bei Sonneneinstrahlung auf, was die chemische Reaktion des Rostens unter der Schicht nochmals beschleunigt.

4. Das Problem der Unsichtbarkeit ("Unterrostung")

Das Gefährliche an Bitumen ist, dass es sehr dick aufgetragen wird. Oft sieht der Unterboden auf den ersten Blick noch gut aus – schwarz und solide. Erst wenn man mit einem Schraubenzieher fest drückt oder gegen das Blech klopft, bemerkt man, dass die Bitumenschicht keine Verbindung mehr zum Metall hat.

  • Oft löst sich das Bitumen großflächig vom Blech ab (Hohlraumbildung).
  • Darunter rostet es völlig unbemerkt weiter, bis das Metall so dünn ist, dass es zu einer Durchrostung kommt.

5. Vergleich mit modernen Mitteln

Moderne Alternativen auf Wachs- oder Fettbasis (z. B. Produkte von Mike Sanders, Fluid Film oder transparente Unterbodenwachse) haben diesen Nachteil nicht:

  • Kriechfähigkeit: Sie bleiben weich und fließen bei Erwärmung sogar wieder in kleine Risse hinein (Selbstheilungseffekt).
  • Transparenz: Viele moderne Wachse sind transparent, sodass man beginnenden Rost sofort sehen würde.

Fazit & Empfehlung

Wenn Sie Risse in altem Bitumen feststellen, sollten Sie handeln:

  1. Prüfen: Mit einem Spachtel oder Schraubenzieher an den rissigen Stellen stechen. Blättert das Bitumen leicht ab und ist darunter brauner Staub oder Feuchtigkeit?
  2. Entfernen: Altes, sprödes Bitumen sollte idealerweise mechanisch (Schaber, Drahtbürste) oder durch Trockeneisstrahlen entfernt werden.
  3. Neuaufbau: Rost behandeln, grundieren und dann mit einem modernen, dauerelastischen Material auf Wachs- oder Fettbasis versiegeln.

Zusammenfassend: Risse im Bitumen sind wie kleine Taschen, die Wasser speichern. Sie verwandeln einen vermeintlichen Schutz in eine "Rost-Falle".

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