Besteht bei tiefgekühlten Beeren-Mischungen ein Risiko für eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus?

Melden

Ja, bei tiefgekühlten Beeren-Mischungen besteht tatsächlich ein gewisses Risiko für eine Infektion mit dem Hepatitis-A-Virus (HAV).

Hier sind die wichtigsten Fakten und Hintergründe dazu:

1. Warum sind gerade Tiefkühlbeeren betroffen?

  • Widerstandsfähigkeit: Hepatitis-A-Viren sind sehr stabil gegenüber Umwelteinflüssen. Kälte macht ihnen nichts aus; sie überleben das Einfrieren bei -20 °C problemlos über lange Zeiträume.
  • Kontaminationswege: Die Beeren können während der Ernte oder Verarbeitung verunreinigt werden, zum Beispiel durch:
    • Bewässerung mit fäkal verunreinigtem Wasser.
    • Mangelnde Hygiene der Pflücker (Schmierinfektion).
    • Verunreinigtes Wasser beim Waschen der Früchte vor dem Einfrieren.
  • Roher Verzehr: Beeren werden oft direkt aus der Packung in Smoothies, Joghurts oder Desserts verwendet, ohne sie vorher zu erhitzen.

2. Wie groß ist das Risiko?

In der Vergangenheit gab es immer wieder europaweite Ausbrüche von Hepatitis A, die auf tiefgekühlte Beeren (insbesondere Erdbeeren und Himbeeren) zurückgeführt werden konnten. Auch Noroviren werden häufiger in Tiefkühlbeeren nachgewiesen.

Obwohl die Lebensmittelüberwachung in der EU streng ist, lassen sich Kontaminationen bei diesen Naturprodukten nie ganz ausschließen.

3. Wie kann man sich schützen?

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und andere Gesundheitsbehörden geben folgende Empfehlungen:

  • Erhitzen (Sicherste Methode): Hepatitis-A-Viren werden erst durch hohe Temperaturen abgetötet. Es wird empfohlen, Tiefkühlbeeren für mindestens zwei Minuten auf über 85 °C zu erhitzen (aufkochen). Dies ist besonders wichtig bei der Zubereitung von Speisen für empfindliche Personengruppen.
  • Vorsicht bei Smoothies: Da die Beeren hier meist nur aufgetaut oder gefroren gemixt werden, bleibt das Risiko bestehen.
  • Impfung: Eine Impfung gegen Hepatitis A bietet den effektivsten Schutz vor einer Infektion, unabhängig von der Quelle.
  • Risikogruppen: Besonders vorsichtig sollten Menschen mit Immunschwäche, ältere Personen, Schwangere und kleine Kinder sein. Diese sollten auf den Verzehr von nicht erhitzten Tiefkühlbeeren verzichten.

4. Was ist mit frischen Beeren?

Auch frische Beeren können kontaminiert sein. Gründliches Waschen reduziert zwar die Keimzahl, entfernt Viren aber nicht immer vollständig, da die Oberfläche von Beeren (z. B. Himbeeren) sehr uneben ist und Viren in den Zwischenräumen haften bleiben können.

Fazit: Ein Risiko ist vorhanden, aber durch kurzes Aufkochen lässt es sich vollständig eliminieren. Wenn Sie die Beeren roh verwenden möchten, ist eine Hepatitis-A-Impfung der beste individuelle Schutz.

0