Besteht bei kombinierten Schwangerschaftsvitaminen die Gefahr einer unnötigen Überversorgung mit bestimmten Mineralstoffen?

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Ja, die Gefahr einer Überversorgung bei kombinierten Schwangerschaftspräparaten (Multivitaminpräparaten) besteht durchaus. Während bestimmte Nährstoffe in der Schwangerschaft essenziell sind, kann das Prinzip „Viel hilft viel“ bei Mineralstoffen und Spurenelementen nach hinten losgehen.

Hier sind die wichtigsten Gründe und Risiken für eine unnötige Überversorgung:

1. Das „Gießkannenprinzip“

Kombipräparate sind so konzipiert, dass sie den Durchschnittsbedarf abdecken. Da jedoch viele Frauen bereits über eine ausgewogene Ernährung gut versorgt sind, nehmen sie durch die Tabletten zusätzliche Mengen auf, die sie eigentlich nicht benötigen.

2. Problematische Mineralstoffe bei Überdosierung

  • Eisen: Viele Kombipräparate enthalten Eisen. Wenn jedoch kein Eisenmangel vorliegt (festgestellt durch ein Blutbild), kann eine zusätzliche Einnahme zu Magen-Darm-Beschwerden (Verstopfung, Übelkeit) führen. Es gibt zudem Hinweise, dass ein unnötig hoher Eisenspiegel das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes oder oxidativen Stress erhöhen kann.
  • Jod: Jod ist extrem wichtig für die Entwicklung des Kindes. Aber: Frauen mit bestimmten Schilddrüsenerkrankungen (z. B. Hashimoto-Thyreoiditis) müssen bei der Jodzufuhr vorsichtig sein, da eine Überdosis Schübe auslösen kann.
  • Zink und Kupfer: Diese beiden Spurenelemente beeinflussen sich gegenseitig. Eine zu hohe Zufuhr von Zink über einen längeren Zeitraum kann die Aufnahme von Kupfer hemmen und so zu einem Kupfermangel führen.
  • Magnesium: Ein Zuviel an Magnesium ist meist nicht gefährlich, da der Körper es ausscheidet, führt aber häufig zu Durchfall und kann die Aufnahme von Eisen behindern, wenn beides gleichzeitig eingenommen wird.

3. Wechselwirkungen (Interaktionen)

Ein großes Problem bei „Alles-in-einem“-Tabletten ist, dass sich Mineralstoffe gegenseitig an der Aufnahme im Darm hindern.

  • Kalzium, Magnesium und Eisen nutzen teilweise die gleichen Transportwege. Werden sie gleichzeitig in einer Tablette eingenommen, nimmt der Körper von jedem einzelnen Stoff weniger auf, als wenn sie zeitversetzt eingenommen würden. Man ist also paradoxerweise „überversorgt“ im Magen, aber nicht optimal versorgt im Blut.

4. Vitamine (Exkurs, da oft kombiniert)

Obwohl Sie nach Mineralstoffen gefragt haben, ist bei Kombipräparaten vor allem Vitamin A kritisch. Eine Überdosierung von Retinol (tierisches Vitamin A) in der Frühschwangerschaft kann fruchtschädigend wirken. Die meisten Schwangerschaftspräparate enthalten daher nur Beta-Carotin (eine Vorstufe), aber Vorsicht ist bei allgemeinen Multivitaminpräparaten geboten, die nicht speziell für Schwangere sind.

Was wird wirklich benötigt?

Fachgesellschaften (wie die DGE) empfehlen meist nur eine gezielte Supplementierung von:

  1. Folsäure (unverzichtbar zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten).
  2. Jod (nach Rücksprache mit dem Arzt bezüglich der Schilddrüse).
  3. Eisen (nur bei nachgewiesenem Mangel).
  4. DHA (Omega-3) (wenn kaum Fisch gegessen wird).
  5. Vitamin D (je nach Spiegel, besonders im Winter).

Fazit

Eine unnötige Überversorgung ist bei Kombipräparaten wahrscheinlich, wenn die Ernährung bereits sehr gut ist.

Empfehlung: Anstatt blind ein Kombipräparat zu kaufen, ist es sinnvoller, beim Frauenarzt ein Blutbild machen zu lassen (inkl. Ferritin-Wert für Eisen und Vitamin D). So kann man gezielt das ergänzen, was wirklich fehlt, und vermeidet eine unnötige Belastung des Stoffwechsels durch Überdosierung oder Wechselwirkungen.

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