P6-Tutorial: Die Treiber Ihres Terminplans finden – Driving Relationships verstehen

Melden

Dieses Tutorial zeigt Ihnen, wie Sie in Oracle Primavera P6 identifizieren, welche Vorgänge und Abhängigkeiten tatsächlich das Datum Ihres Projektendes oder bestimmter Meilensteine bestimmen.


In einem komplexen Projektplan mit tausenden von Aktivitäten ist es oft schwer zu sehen, warum ein Vorgang an einem bestimmten Datum geplant ist. Die Funktion der „Driving Relationships“ (treibende Abhängigkeiten) ist der Schlüssel zur Analyse Ihres kritischen Pfads.

1. Was ist eine „Driving Relationship“?

Eine Abhängigkeit ist dann „treibend“ (driving), wenn sie das Start- oder Enddatum des Nachfolgers direkt bestimmt.

  • Nicht-treibend: Der Vorgang hat Pufferzeit gegenüber seinem Nachfolger.
  • Treibend: Wenn sich der Vorgänger verzögert, verschiebt sich sofort auch der Nachfolger.

2. Methode 1: Der Tab „Relationships“ (Beziehungen)

Dies ist der schnellste Weg, um für einen einzelnen Vorgang den „Übeltäter“ für eine Verzögerung zu finden.

  1. Wählen Sie einen Vorgang in der Activity Table aus.
  2. Öffnen Sie im unteren Bereich (Activity Details) den Tab Relationships.
  3. Achten Sie auf die Spalte Driving.
    • Ist das Kontrollkästchen aktiviert, ist dies die treibende Abhängigkeit.
    • Tipp: Wenn die Spalte nicht sichtbar ist, klicken Sie mit der rechten Maustaste auf die Spaltenüberschriften im Tab „Relationships“, wählen Sie Customize Relationships Columns und fügen Sie „Driving“ hinzu.

3. Methode 2: Trace Logic (Spurenverfolgung)

Die visuelle Methode, um den Pfad der Treiber zu verfolgen.

  1. Gehen Sie im Menü auf View > Show on Bottom > Trace Logic.
  2. Wählen Sie eine Aktivität aus. Im unteren Fenster sehen Sie nun eine Box-Grafik.
  3. Die Linien zu den Vorgängern zeigen den Fluss:
    • Durchgehende Linien symbolisieren treibende Abhängigkeiten (Driving).
    • Gestrichelte Linien sind nicht-treibend.
  4. Sie können nun einfach von Box zu Box klicken, um rückwärts zu analysieren, was den Terminplan bis zum Projektstart treibt.

4. Methode 3: Die Analyse des „Longest Path“ (Längster Pfad)

Oft verwechseln Planer den „Total Float = 0“ (Gesamtpuffer) mit dem kritischen Pfad. In P6 ist der Longest Path jedoch die präziseste Methode, um die Treiber des Projektendes zu finden.

  1. Drücken Sie F9 (Schedule).
  2. Klicken Sie auf Options.
  3. Wählen Sie unter Compute total float as die Option Longest Path (statt Total Float).
  4. Nach dem Berechnen können Sie im Filter-Menü den Standardfilter Longest Path auswählen.
  5. Nun sehen Sie nur noch die Aktivitäten, die direkt das Projektende bestimmen.

5. Profi-Tipp: Den „Driving Path“ im Gantt-Chart hervorheben

Seit neueren Versionen von P6 können Sie den treibenden Pfad für jede ausgewählte Aktivität direkt im Balkendiagramm anzeigen lassen:

  1. Klicken Sie auf das Icon Visualizer oder nutzen Sie die Progress Line Funktionen.
  2. Alternativ: Markieren Sie eine Aktivität, halten Sie die Taste Strg gedrückt und klicken Sie im Relationships-Tab auf Go To. So springen Sie kaskadenartig durch alle treibenden Vorgänger („Backward Pass Analysis“).

Zusammenfassung: Warum ist das wichtig?

Wenn Sie wissen, was Ihren Plan „treibt“, können Sie:

  • Gezielt steuern: Ressourcen dort einsetzen, wo sie die Dauer wirklich verkürzen.
  • Verzögerungen begründen: Exakt nachweisen, welcher Vorgänger einen Meilenstein verschoben hat.
  • Fehler finden: Unnötige Constraints (Einschränkungen) identifizieren, die den Plan starr machen.

Nächster Schritt: Prüfen Sie bei Ihrem nächsten Update immer zuerst den „Longest Path“, bevor Sie Berichte an das Management senden!

0