Wie kann ich in SPSS fehlende Werte nachträglich definieren und codieren?
- Einleitung: Wann und warum fehlende Werte definieren
- Fehlende Werte in der Variablenansicht definieren
- Fehlende Werte über das Menü rekodieren/codieren festlegen
- Fehlende Werte mit Syntax definieren und kontrollieren
- Prüfung und Dokumentation fehlender Werte
- Hinweise zur Auswahl zwischen user-missing und system-missing
Einleitung: Wann und warum fehlende Werte definieren
In SPSS treten fehlende Werte auf, wenn Befragte Fragen nicht beantwortet haben oder Messwerte fehlen. Fehlende Werte korrekt zu definieren ist wichtig, weil sie die Berechnung von Mittelwerten, Regressionen und weiteren Analysen beeinflussen. SPSS erlaubt zwei grundlegende Vorgehensweisen: fehlende Werte als system-missing (punkt) behandeln oder bestimmte Ausprägungen als „user-missing“ deklarieren (z. B. 99 = weiß nicht).
Fehlende Werte in der Variablenansicht definieren
Öffnen Sie die Variablenansicht. Wählen Sie die Variable, für die Sie fehlende Werte definieren möchten. Klicken Sie in der Zeile „Missing“ (oder „Fehlend“) auf das Feld; es öffnet sich ein Dialogfenster. Dort können Sie entweder eine oder bis zu drei Werte als einzelne fehlende Werte eintragen (z. B. 98, 99) oder einen Bereich plus einen optionalen einzeln Wert festlegen (z. B. 90 thru 99, 99). Nach Bestätigung behandelt SPSS diese Werte automatisch als user-missing und zeigt in Tabellen und Berechnungen die Fälle als fehlend an.
Fehlende Werte über das Menü rekodieren/codieren festlegen
Wenn Sie vorhandene Codes in echte System-missing-Werte umwandeln oder Codes ändern wollen, nutzen Sie Transformieren > Recode into Same Variables oder Recode into Different Variables. Geben Sie im Recode-Dialog die ursprünglichen Werte an und wählen Sie für das Ziel den „System Missing“ Eintrag (durch Auswahl „System-missing“ oder durch Eintrag eines Punktes im Syntax). Für die Erstellung einer neuen Variable wählen Sie „into Different Variables“ und vergeben Sie einen Namen. Diese Methode ist nützlich, wenn Sie Kodierungen vereinheitlichen wollen (z. B. 9 und 99 → System missing).
Fehlende Werte mit Syntax definieren und kontrollieren
Mit SPSS-Syntax sind Schritte reproduzierbar. Um einen Wert als user-missing zu setzen, nutzen Sie die VARIABLE LEVEL/ MISSING-Befehle bzw. ALTER TYPE und MISSING VALUES. Beispiel: MISSING VALUES v1 (99). Um Werte in System-missing zu recodieren: RECODE v1 (99 = SYSMIS). RUN. Syntax erlaubt Batch-Anwendungen auf viele Variablen und ist empfehlenswert bei größeren Projekten.
Prüfung und Dokumentation fehlender Werte
Nach Definition oder Rekodierung prüfen Sie über Analysieren > Deskriptive Statistiken > Frequencies oder über die Befehlssyntax FREQUENCIES VARIABLES=v1 /MISSING=INCLUDE. Frequenztabellen zeigen die Häufigkeit der user- und system-missing-Werte. Dokumentieren Sie jede Änderung im Syntax-Log oder in einem Protokoll: Welche Codes wurden als fehlend gesetzt und warum. Das erhöht Nachvollziehbarkeit und Reproduzierbarkeit.
Hinweise zur Auswahl zwischen user-missing und system-missing
User-missing ist geeignet, wenn bestimmte numerische Codes in der Datenerhebung eine inhaltliche Bedeutung haben (z. B. „weiß nicht“, „verweigert“). System-missing ist ein genereller „kein Wert vorhanden“-Indikator. Beachten Sie, dass manche Prozeduren unterschiedlich mit user- und system-missing umgehen; prüfen Sie die jeweilige Analyse auf Ausschlussregeln.
