Warum ist die Latenz beim Abspielen in LMMS so hoch und wie kann ich sie reduzieren?
Warum ist die Latenz beim Abspielen in LMMS so hoch?
Latenz beschreibt die Verzögerung zwischen dem Eingeben eines Sounds (zum Beispiel durch Anschlagen einer Taste) und dem tatsächlichen Abspielen des Sounds über die Lautsprecher. In LMMS (Linux MultiMedia Studio) kann diese Verzögerung aus verschiedenen technischen Gründen relativ hoch sein. Einer der Hauptgründe dafür ist die Art und Weise, wie LMMS den Audio-Output verarbeitet. LMMS verwendet in der Regel die Betriebssystemstandard-Audiotreiber, die nicht immer für minimale Latenz optimiert sind. Insbesondere unter Windows arbeitet LMMS häufig mit dem Standard-Windows-Audio-Treiber (WASAPI oder DirectSound), der eine relativ hohe Puffergröße erfordert, um stabile Wiedergabe sicherzustellen. Größere Puffer sorgen zwar für weniger Aussetzer und Stabilität bei der Audiowiedergabe, verursachen aber gleichzeitig eine höhere Verzögerung.
Ein weiterer Faktor ist, dass LMMS relativ wenig Echtzeit-Audiooptimierung bietet im Vergleich zu professionellen digitalen Audio-Workstations (DAWs). Die interne Verarbeitungskette von Effekten, Synthesizern und Plugins sowie der Umgang mit Mehrspurwiedergabe führt ebenfalls zu Verzögerungen. Falls du virtuelle MIDI-Controller oder externe Instrumente verwendest, kann auch die Kommunikation über MIDI zusätzliche Verzögerungen hinzufügen.
Wie kann man die Latenz in LMMS reduzieren?
Um die Latenz beim Abspielen in LMMS zu verringern, gibt es verschiedene Ansätze, die du ausprobieren kannst. Zunächst solltest du überprüfen, welche Audio-Treiber LMMS verwendet. Unter Windows kannst du versuchen, ASIO-Treiber zu verwenden, da diese für geringe Latenz entwickelt wurden. Der offizielle ASIO-Treiber ist allerdings meist an spezielle Hardware gebunden, aber es gibt alternative Lösungen wie ASIO4ALL, die universell funktionieren und die Puffergröße heruntersetzen können. In den LMMS-Audioeinstellungen kannst du dann ASIO als Treibertyp wählen und die Puffergröße anpassen. Kleinere Puffergrößen führen zu geringerer Latenz, allerdings steigt dabei das Risiko von Audioaussetzern.
Für Linux-Nutzer bietet das JACK-Audiosystem eine exzellente Möglichkeit, die Latenz deutlich zu reduzieren. JACK ist ein speziell für Audio- und MIDI-Streaming entwickelter Soundserver, der niedrige Latenzzeiten ermöglicht. LMMS unterstützt die Ausgabe über JACK, und in Kombination mit einem gut konfigurierten System kann die Latenz auf wenige Millisekunden gesenkt werden. Ebenso sollte man sicherstellen, dass das System möglichst schlank läuft, also Hintergrundprozesse reduziert werden und der Prozessor nicht ausgelastet ist.
Darüber hinaus können Optimierungen im Setup helfen: Sofern du externe Hardware nutzt, sollte diese möglichst direkt und ohne zusätzliche Umwege mit deinem Computer verbunden sein. Veraltete oder langsame USB-Controller oder Soundkarten können ebenfalls zu höherer Latenz beitragen. Ein aktueller, möglichst leistungsfähiger Rechner mit genügend RAM und einer passenden Soundkarte kann die Audioverarbeitung verbessern. Im Betriebssystem selbst können Einstellungen wie "Audiowiedergabe priorisieren" oder das Deaktivieren von Energiesparmodi die Reaktionszeit verkürzen.
Abschließend kann auch die Wahl der Plugins und Effekte in LMMS die Latenz beeinflussen. Einige Effekte benötigen mehr Zeit zur Verarbeitung und erhöhen dadurch die Verzögerung. Wenn höchste Performance gefordert ist, sollten möglichst wenige oder latenzoptimierte Plugins verwendet werden. Innerhalb von LMMS besteht zudem manchmal die Möglichkeit, die Audio-Engine-Einstellungen zu justieren, was zu einer Reduktion der Latenz führen kann.
Zusammengefasst entsteht die hohe Latenz in LMMS hauptsächlich durch Puffergrößen, den verwendeten Audio-Treiber und die Systemkonfiguration. Durch den Einsatz von ASIO-Treibern (unter Windows), JACK (unter Linux), Anpassung der Puffergröße sowie einer leistungsfähigen Hardware und Systemoptimierungen lässt sich die Verzögerung deutlich reduzieren.
