Woran erkennt man qualitativ hochwertige Rasensamen-Mischungen?
Qualitativ hochwertige Rasensamen zu erkennen, ist für Laien auf den ersten Blick schwierig, da die Verpackungen oft mit schönen Bildern werben. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Kleingedruckten – dem Sortenetikett.
Hier sind die wichtigsten Kriterien, an denen du hochwertige Rasenmischungen erkennst:
1. Das wichtigste Siegel: RSM (Regel-Saatgut-Mischung)
Das sicherste Qualitätsmerkmal in Deutschland ist die Bezeichnung RSM. Diese Mischungen werden von Experten (der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e.V.) zusammengestellt und geprüft.
- Warum RSM? Die Sorten sind auf ihre Eignung als Rasen (nicht als Futtergras!) geprüft. Es gibt RSM-Nummern für verschiedene Zwecke (z.B. RSM 3.1 für Sport- und Spielrasen oder RSM 2.3 für Gebrauchsrasen).
- Fehlt das RSM-Siegel, handelt es sich oft um Billigmischungen mit minderwertigen Grassorten.
2. Die enthaltenen Grassorten (Lateinische Namen)
Schau auf die Rückseite der Packung auf die genaue Zusammensetzung. Hochwertige Mischungen bestehen meist aus einer Kombination dieser drei Arten:
- Lolium perenne (Deutsches Weidelgras): Keimt schnell, ist belastbar und trittfest. In guten Mischungen sind spezielle "Rasen-Züchtungen" enthalten, die langsam wachsen.
- Poa pratensis (Wiesenrispe): Bildet unterirdische Ausläufer (Rhizome), macht den Rasen dicht und sorgt für die Regeneration von Lücken.
- Festuca rubra (Rotschwingel): Sorgt für ein feines Blattbild und kommt gut mit Schatten oder Trockenheit klar.
Vermeide Mischungen mit:
- Lolium multiflorum (Welsches Weidelgras): Ein klassisches Ackerfuttergras. Es wächst extrem schnell in die Höhe, bildet aber keine dichte Narbe und stirbt nach ein bis zwei Jahren ab. Man erkennt es oft an Bezeichnungen wie "Berliner Tiergarten" (ein Name ohne Qualitätsgarantie).
3. Keimfähigkeit und Reinheit
Auf dem grünen Etikett (Pflichtangabe bei Saatgut) stehen oft Prozentangaben:
- Keimfähigkeit: Sie sollte bei mindestens 80 % bis 90 % liegen. Billiges Saatgut hat oft eine geringere Keimrate, was zu kahlen Stellen führt.
- Reinheit: Hochwertiges Saatgut ist zu 98 % oder mehr rein. Das bedeutet, es sind kaum Unkrautsamen oder Spreu enthalten.
4. Der Preis als Indikator
Qualität hat ihren Preis. Hochwertige Züchtungen wachsen langsamer in die Höhe, dafür aber dichter in die Breite.
- Billig-Rasen: Wächst wie verrückt nach oben (viel Mähen!), ist hellgrün und bildet grobe Büschel.
- Qualitäts-Rasen: Musst du seltener mähen, er ist dunkelgrün, feinblättrig und bildet einen dichten Teppich, der Unkraut verdrängt.
5. Zweckgebundene Mischung
Ein guter Hersteller bietet keine "Universalmischung" für alles an, sondern spezialisierte Produkte:
- Schattenrasen: Enthält oft Poa supina (Lägerrispe), das einzige Gras, das wirklich im Schatten gedeiht.
- Trockenrasen: Enthält oft Festuca arundinacea (Rohrschwingel) in speziellen Rasenzüchtungen für tiefere Wurzeln.
- Sport- und Spielrasen: Hoher Anteil an belastbarem Lolium perenne.
Zusammenfassung: Die Checkliste beim Kauf
- Steht RSM auf der Packung?
- Sind Lolium perenne, Poa pratensis oder Festuca rubra enthalten?
- Fehlen Begriffe wie "Berliner Tiergarten" oder Lolium multiflorum?
- Ist das Grüne Etikett (amtliches Saatgut-Etikett) vorhanden?
- Ist der Preis deutlich höher als bei der Discounter-Ware (Qualitätssaatgut kostet oft 10–15 € pro kg)?
Pro-Tipp: Kaufe Rasensamen lieber im Fachhandel oder von namhaften Herstellern (z.B. Wolf-Garten, Kiepenkerl, Eurogreen, Juliwa-Hesa), anstatt zur billigsten Tüte im Baumarkt zu greifen. Die Mehrkosten sparst du später bei Dünger, Unkrautvernichter und Zeit beim Mähen wieder ein.