Woran erkennt man optisch, dass ein Keilriemen spröde oder verschlissen ist?

Melden

Einen verschlissenen oder spröden Keilriemen (oder Keilrippenriemen) zu erkennen, ist mit einer einfachen Sichtprüfung meist gut möglich. Hier sind die wichtigsten optischen Anzeichen, auf die du achten solltest:

1. Rissbildung (Querrisse)

Das deutlichste Zeichen für Alterung und Materialermüdung sind kleine Querrisse auf der Innenseite (der profilierten Seite) des Riemens.

  • Wann ist es kritisch? Wenn auf einer Länge von ca. 3 cm mehr als vier Risse zu sehen sind oder wenn ein Riss so tief ist, dass er bis auf das innenliegende Gewebe reicht.

2. Ausfransungen an den Kanten

Wenn an den Seiten des Riemens Fäden herausstehen oder die Flanken ausgefranst wirken, deutet das darauf hin, dass der Riemen nicht mehr sauber in den Riemenscheiben läuft. Dies kann durch eine Fehlstellung der Rollen oder durch Altersschwäche des Materials kommen.

3. Verglasung (glänzende Oberflächen)

Wenn die Flanken oder die glatte Oberseite des Riemens stark glänzen oder „speckig“ aussehen, spricht man von Verglasung.

  • Ursache: Der Riemen ist durchgerutscht. Die dabei entstandene Hitze hat das Gummi „gebacken“ und ausgehärtet. Ein verglaster Riemen hat keinen Grip mehr und wird bald anfangen zu quietschen oder zu reißen.

4. Ausbrüche (Materialverlust)

Bei modernen Keilrippenriemen können ganze Stücke aus den Rippen herausbrechen (sogenanntes „Chunking“). Wenn du Lücken im Profil siehst, ist die Stabilität des Riemens nicht mehr gewährleistet.

5. Verschmutzung durch Öl oder Kühlmittel

Ein Riemen sollte immer trocken sein. Siehst du Ölschmier oder glänzende Flecken, ist er wahrscheinlich mit Motoröl oder Frostschutzmittel in Kontakt gekommen.

  • Problem: Öl zersetzt das Gummi. Der Riemen wird weich, quillt auf und verliert seine Festigkeit. In diesem Fall muss nicht nur der Riemen getauscht, sondern auch die Leckage gefunden werden.

6. Sitz in der Riemenscheibe

Ein neuer Keilriemen sitzt oben bündig oder leicht überstehend in der V-förmigen Nut der Riemenscheibe. Ein stark verschlissener Riemen wird schmaler und wandert tiefer in die Nut. Wenn er den Boden der Nut berührt, hat er keine Keilwirkung mehr und rutscht durch.

7. Porosität

Wenn das Gummi an der Oberfläche matt, gräulich und rissig (wie alte Autoreifen) aussieht, ist der Weichmacher entwichen. Das Material ist spröde und kann bei Belastung jederzeit brechen.


Kleiner Zusatz-Tipp (nicht optisch):

  • Hörprobe: Ein hohes Quietschen (besonders beim Kaltstart oder bei Volleinschlag der Lenkung) deutet fast immer auf eine falsche Spannung oder einen verglasten/verschlissenen Riemen hin.
  • Daumendruck-Test: Bei ausgeschaltetem Motor kannst du prüfen, wie weit sich der Riemen durchdrücken lässt. Als Faustregel gilt: An der längsten freien Stelle sollte er sich mit dem Daumen etwa 1 bis 1,5 cm (je nach Fahrzeugvorgabe) durchdrücken lassen.

Sicherheitshinweis: Führe Prüfungen am Keilriemen nur bei ausgeschaltetem Motor und abgezogenem Zündschlüssel durch! Es besteht schwere Verletzungsgefahr durch rotierende Teile.

0