Warum erzeugt ein Keilriemen beim Starten des Motors oft ein quietschendes Geräusch?

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Das typische Quietschen eines Keilriemens (oder Keilrippenriemens) beim Starten des Motors hat eine physikalische Ursache: Schlupf. Das bedeutet, der Riemen rutscht über die Riemenscheiben, anstatt sie kraftschlüssig zu bewegen.

Hier sind die Hauptgründe, warum das besonders beim Starten passiert:

1. Hohe Last unmittelbar nach dem Start

Beim Anlassen des Motors muss die Lichtmaschine (Generator) Schwerstarbeit leisten. Der Startvorgang hat viel Energie aus der Batterie verbraucht, und die Lichtmaschine versucht nun sofort, diese Energie zurückzuspeisen. Je mehr Strom sie erzeugen muss, desto schwergängiger lässt sie sich drehen. Dieser hohe mechanische Widerstand führt dazu, dass der Riemen über die Riemenscheibe der Lichtmaschine rutscht.

2. Kälte und Feuchtigkeit

  • Feuchtigkeit: Morgentau oder Regen legen einen feinen Wasserfilm auf die Riemenscheiben. Das wirkt wie ein Schmiermittel und verringert die Reibung. Sobald der Riemen durch die Reibung warm und trocken wird, verschwindet das Quietschen meist nach ein paar Sekunden.
  • Kälte: Gummi wird bei niedrigen Temperaturen hart und unflexibel. Ein harter Riemen kann sich nicht so gut an die Flanken der Riemenscheibe anschmiegen, was die Haftung verringert.

3. Materialermüdung und Alterung (Verglasung)

Mit der Zeit verliert der Gummi des Riemens seine Weichmacher. Er wird spröde und an den Kontaktflächen spiegelglatt (man nennt das „Verglasen“). Ein verglaster Riemen hat kaum noch Grip und rutscht schon bei geringer Belastung durch.

4. Mangelnde Spannung

Ein Keilriemen muss mit einer bestimmten Spannung eingebaut sein.

  • Bei älteren Autos muss man den Riemen manuell nachspannen.
  • Bei modernen Autos gibt es oft automatische Riemenspanner. Wenn deren Feder erlahmt, reicht der Druck nicht mehr aus, um den Riemen rutschfrei zu halten.

5. Verschleiß der Riemenscheiben

Nicht nur der Riemen, auch die Riemenscheiben selbst können sich abnutzen. Wenn die V-förmige Nut der Scheibe zu weit ausgeschliffen ist, liegt der Riemen auf dem Grund der Nut auf, anstatt sich an den Flanken festzuklemmen. Dadurch geht die Keilwirkung verloren.


Was sollte man tun?

  • Kurzfristig: Wenn es nur bei extremer Feuchtigkeit für 2 Sekunden quietscht, ist es oft harmlos.
  • Prüfen: Man sollte die Spannung des Riemens prüfen (er sollte sich mit dem Daumen nur etwa 1 cm eindrücken lassen) und nach Rissen oder glänzenden Stellen suchen.
  • Handeln: Ein dauerhaft quietschender Riemen erzeugt Hitze. Diese Hitze kann die Lager der Lichtmaschine oder der Wasserpumpe beschädigen. Zudem kann der Riemen reißen, was je nach Fahrzeug zum Ausfall der Kühlung (Überhitzungsgefahr!) oder der Servolenkung führt.

Tipp: Ein einsprühen mit „Keilriemenspray“ hilft oft nur sehr kurzzeitig und kaschiert meist nur das eigentliche Problem (Verschleiß oder falsche Spannung). Ein Austausch des Riemens ist meist kostengünstig und die sicherste Lösung.

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