Wie wirkt sich die Schweißbildung unter Einmalhandschuhen auf die Barrierefunktion der Haut aus?

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Das Tragen von Einmalhandschuhen führt zu einem Effekt, der in der Arbeitsmedizin als Okklusion (Abschluss der Haut von der Außenluft) bezeichnet wird. Die Schweißbildung unter diesen Handschuhen hat erhebliche Auswirkungen auf die Barrierefunktion der Haut.

Hier sind die wichtigsten Auswirkungen im Detail:

1. Mazeration (Aufweichung) der Hornschicht

Der wichtigste Effekt ist die sogenannte Hydratisierung oder Mazeration. Da der Schweiß nicht verdunsten kann, staut sich die Feuchtigkeit direkt auf der Hautoberfläche.

  • Vorgang: Die Hornschicht (Stratum corneum), die eigentlich als Schutzwall dient, saugt sich mit Wasser voll und quillt auf.
  • Folge: Die Hornzellen verlieren ihren dichten Zusammenhalt. Die natürliche Struktur aus Korneozyten (Zellen) und Lipiden (Fetten), das sogenannte „Ziegelstein-Mörtel-Modell“, wird instabil.

2. Störung der Lipidbarriere

Durch das übermäßige Wasserangebot und das anschließende Quellen werden die hauteigenen Fette (Lipide) lockerer gebunden.

  • Folge: Beim Ausziehen der Handschuhe und dem anschließenden Verdunsten der Feuchtigkeit werden vermehrt Lipide und natürliche Feuchtehaltefaktoren (NMF) aus der Haut „ausgewaschen“. Die Haut trocknet paradoxerweise nach dem Tragen der Handschuhe stärker aus.

3. Erhöhung des pH-Wertes

Der natürliche Säureschutzmantel der Haut hat einen pH-Wert von ca. 5,5.

  • Vorgang: Der Schweißstau unter dem Handschuh kann den pH-Wert in den neutralen Bereich verschieben.
  • Folge: Ein höherer pH-Wert schwächt die Abwehrfunktion gegen Mikroorganismen (Bakterien, Pilze) und beeinträchtigt Enzyme, die für die Regeneration der Hautbarriere zuständig sind.

4. Erhöhte Durchlässigkeit für Schadstoffe und Allergene

Eine aufgequollene Hautbarriere ist wesentlich durchlässiger (Permeabilität).

  • Folge: Reizstoffe (Irritantien) oder allergieauslösende Stoffe (z. B. Inhaltsstoffe des Handschuhmaterials wie Beschleuniger oder auch Desinfektionsmittelreste auf der Haut) können tiefer und schneller in die Haut eindringen. Dies erhöht das Risiko für Kontaktekzeme massiv.

5. Förderung von Mikroorganismen

Das feucht-warme Klima unter dem Handschuh ist ein idealer Nährboden für Bakterien und Hefepilze. Dies kann zu Infektionen führen oder bestehende Hautprobleme verschlimmern.


Zusammenfassung: Das „Kumulative Abnutzungsekzem“

Langfristig führt die wiederholte Schweißbildung und Mazeration zum sogenannten Abnutzungsekzem (toxischer Kontaktdermatitis). Die Haut wird rot, schuppig, rissig und juckt. Die Barrierefunktion ist dann so stark geschädigt, dass sie ihre Schutzaufgabe nicht mehr erfüllen kann.

Präventionsmaßnahmen

Um diese negativen Effekte zu minimieren, empfehlen Experten:

  1. Tragezeit begrenzen: Handschuhe nur so lange wie nötig tragen.
  2. Baumwollunterziehhandschuhe: Diese können den Schweiß aufsaugen und die Mazeration verzögern.
  3. Hautschutzpräparate: Spezielle Cremes (Gerbstoff-Präparate), die die Schweißbildung reduzieren oder die Haut festigen, können vor der Arbeit aufgetragen werden.
  4. Sorgfältiges Trocknen: Die Hände müssen vor dem Anziehen der Handschuhe vollständig trocken sein (besonders nach der Desinfektion).
  5. Konsequente Hautpflege: Nach der Arbeit müssen Lipide und Feuchtigkeit durch Pflegecremes zurückgegeben werden.