Wie wird herkömmlicher Haushaltszucker gewonnen?
Herkömmlicher Haushaltszucker (chemisch: Saccharose) wird in unseren Breitengraden fast ausschließlich aus der Zuckerrübe gewonnen. In tropischen Regionen dient das Zuckerrohr als Rohstoff.
Obwohl die Pflanzen unterschiedlich sind, ist der Prozess der Zuckergewinnung im Kern sehr ähnlich. Hier ist der Ablauf am Beispiel der Zuckerrübe (wie er in Deutschland üblich ist):
1. Vorbereitung und Zerkleinerung
Nach der Ernte werden die Rüben in der Zuckerfabrik gründlich gewaschen und von Steinen und Blättern befreit. Anschließend werden sie in schmale Streifen geschnitten, die sogenannten Rübenschnitzel.
2. Extraktion (Saftgewinnung)
Die Rübenschnitzel kommen in einen sogenannten Diffusionsturm. Dort werden sie im Gegenstromprinzip mit heißem Wasser (ca. 70 °C) versetzt. Das Wasser löst den Zucker aus den Pflanzenzellen. Zurück bleiben die ausgelaugten Schnitzel (die oft als Viehfutter verwendet werden) und der sogenannte Rohsaft. Dieser ist dunkel gefärbt und enthält neben Zucker noch andere Pflanzenstoffe.
3. Saftreinigung
Um den Zucker zu isolieren, müssen die „Nicht-Zuckerstoffe“ entfernt werden. Dem Rohsaft werden Kalkmilch und Kohlensäure zugesetzt. Diese binden die Fremdstoffe, die dann als Kalkschlamm abfiltriert werden können. Das Ergebnis ist eine klare, hellgelbe Flüssigkeit, der Dünnsaft.
4. Eindampfen
Der Dünnsaft besteht noch zu etwa 85 % aus Wasser. In großen Verdampferstationen wird dem Saft durch Erhitzen unter Vakuum Wasser entzogen. Der Saft wird immer dickflüssiger und konzentrierter, bis der sogenannte Dicksaft mit einem Zuckergehalt von etwa 65 % entsteht.
5. Kristallisation
Der Dicksaft wird weiter eingedampft, bis die Sättigung so hoch ist, dass sich Kristalle bilden. Um diesen Prozess zu steuern, werden winzige Impfkristalle hinzugefügt. Sobald die Zuckerkristalle die gewünschte Größe erreicht haben, wird der Vorgang gestoppt. Es entsteht ein zäher, brauner Brei, die Füllmasse (eine Mischung aus Zuckerkristallen und Sirup).
6. Zentrifugieren
In Zentrifugen wird die Füllmasse bei hoher Geschwindigkeit geschleudert. Die Fliehkraft trennt den flüssigen Sirup von den festen Zuckerkristallen. Der Sirup (Melasse) fließt ab, während der weiße Zucker in der Zentrifuge zurückbleibt.
7. Trocknung und Verpackung
Der noch feuchte Zucker wird mit warmer Luft getrocknet, abgekühlt und in Silos gelagert, bevor er in die bekannten Packungen für den Handel abgefüllt wird.
Was ist der Unterschied zum Zuckerrohr?
Beim Zuckerrohr wird der Saft nicht durch Diffusion (Herauslösen mit Wasser), sondern durch Auspressen der Halme gewonnen. Da Zuckerrohr meist in fernen Ländern verarbeitet wird, stellt man dort oft zunächst Rohzucker her (der noch von einer Sirupschicht braun gefärbt ist). Dieser wird dann per Schiff in Industrieländer transportiert und dort in Raffinerien gereinigt, bis er ebenfalls reinweiß ist.
Wichtig zu wissen: Ob aus Rübe oder Rohr – chemisch gesehen ist weißer Haushaltszucker exakt dasselbe Molekül. Geschmacklich und qualitativ gibt es keinen Unterschied.