Wie verhält man sich korrekt, wenn ein Kondom nach dem Samenerguss stecken bleibt?
Wenn ein Kondom nach dem Samenerguss in der Scheide oder im After stecken bleibt, ist das erst einmal ein Schreckmoment, aber kein Grund zur Panik. Wichtig ist es, jetzt schnell und besonnen zu handeln.
Hier ist die Schritt-für-Schritt-Anleitung, was zu tun ist:
1. Das Kondom entfernen
Das Wichtigste zuerst: Das Kondom muss vorsichtig herausgeholt werden.
- Ruhe bewahren: Wenn man verkrampft, ziehen sich die Muskeln (z. B. der Beckenboden) zusammen, was das Entfernen erschwert.
- Hände waschen: Vor dem Eingreifen die Hände gründlich waschen, um keine Bakterien einzuschleppen.
- Position: Eine hockende Position oder das Aufstellen eines Beines (z. B. auf den Rand der Badewanne) hilft meist am besten.
- Vorsichtig greifen: Mit zwei Fingern (Zeige- und Mittelfinger) vorsichtig in die Scheide oder den After fassen, das Kondom greifen und langsam herausziehen.
- Keine Hilfsmittel: Benutze niemals spitze Gegenstände (Pinzetten, Scheren etc.), da die Verletzungsgefahr für die Schleimhäute viel zu groß ist.
2. Schwangerschaftsschutz (Notfallverhütung)
Da das Sperma beim Steckenbleiben meist aus dem Kondom ausläuft, besteht ein hohes Risiko für eine ungewollte Schwangerschaft.
- Die "Pille danach": Wenn keine andere sichere Verhütungsmethode (wie die Pille oder Spirale) vorliegt, sollte so schnell wie möglich die „Pille danach“ besorgt werden.
- Zeitfaktor: Je früher sie eingenommen wird, desto sicherer wirkt sie. In Deutschland ist sie rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich.
- Alternative "Kupferkette/Kupferspirale danach": Dies ist die sicherste Methode der Notfallverhütung und kann bis zu 5 Tage nach dem Vorfall von einem Frauenarzt eingesetzt werden.
3. Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STI)
Da der Schutz durch das Kondom nicht mehr gegeben war, besteht ein Risiko für Infektionen (z. B. Chlamydien, Gonorrhö, HIV, Hepatitis).
- Testen lassen: Es ist ratsam, etwa 2–6 Wochen nach dem Vorfall einen Termin beim Hautarzt, Urologen oder Frauenarzt für einen STI-Check zu vereinbaren.
- HIV-Prävention (PEP): Falls der Partner ein hohes Risiko für HIV hat oder der Status unbekannt ist, gibt es die Möglichkeit einer PEP (Post-Expositions-Prophylaxe). Diese muss innerhalb von 24 (maximal 48–72) Stunden begonnen werden. Wende dich dafür an eine Notaufnahme oder eine spezialisierte HIV-Schwerpunktpraxis.
4. Ursachenforschung: Warum ist es passiert?
Damit das beim nächsten Mal nicht wieder passiert, sollte man die Ursache prüfen:
- Falsche Größe: Ein zu großes Kondom rutscht leichter ab.
- Zu spätes Zurückziehen: Man sollte den Penis herausziehen, solange er noch steif ist.
- Festhalten vergessen: Beim Herausziehen muss man den Gummiring am Penisansatz mit den Fingern festthalten, damit das Kondom nicht abgleitet.
- Falsches Gleitmittel: Ölhaltige Gleitmittel (oder Cremes/Bodylotion) machen Latex porös und rutschig. Nur wasserbasierte oder silikonbasierte Gleitmittel verwenden.
Zusammenfassend: Kondom vorsichtig entfernen, ab in die Apotheke für die „Pille danach“ und im Zweifel in ein paar Wochen einen Arzt für einen Routinetest aufsuchen.