Was sollte man tun, wenn ein Kondom während des Geschlechtsverkehrs reißt?
Wenn ein Kondom reißt, ist es wichtig, schnell und besonnen zu handeln. Hier sind die wichtigsten Schritte, die man nun unternehmen sollte:
1. Sofortiger Stopp
Sobald bemerkt wird, dass das Kondom beschädigt ist, sollte der Geschlechtsverkehr sofort unterbrochen werden. Der Penis sollte vorsichtig herausgezogen werden, wobei man das Kondom am Schaft festhält, damit es nicht abrutscht oder Reste in der Scheide oder im After verbleiben.
2. Reinigung (Vorsicht!)
- Äußerlich: Man kann die Genitalien äußerlich mit Wasser und einer milden Seife waschen.
- Innerlich (Wichtig!): Man sollte keine Scheidenspülungen oder aggressive Reinigungsmittel im Inneren der Vagina oder des Afters verwenden. Dies schützt weder vor Schwangerschaft noch vor Infektionen, sondern reizt die Schleimhäute und macht sie anfälliger für Erreger. Spermien gelangen zudem sehr schnell in den Gebärmutterhals, wo Spülungen sie nicht mehr erreichen.
3. Notfall-Verhütung (Schwangerschaftsschutz)
Wenn eine Schwangerschaft verhindert werden soll und keine andere sichere Verhütungsmethode (wie die Pille, Spirale oder das Implantat) besteht:
- Die "Pille danach": Sie sollte so schnell wie möglich eingenommen werden (idealerweise innerhalb der ersten 12 bis 24 Stunden, maximal je nach Präparat nach 3 bis 5 Tagen). Sie ist in Deutschland rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich. Ein Beratungsgespräch durch den Apotheker oder einen Arzt ist notwendig.
- Die "Spirale danach" (Kupferkette/-spirale): Dies ist die sicherste Methode der Notfallverhütung. Sie kann bis zu 5 Tage nach dem Riss vom Frauenarzt eingesetzt werden und verhindert die Einnistung einer Eizelle fast zu 100 %.
4. Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs)
Falls der Partner oder die Partnerin neu ist oder der Gesundheitsstatus unklar ist:
- HIV-Vorsorge (PEP): Besteht ein hohes Risiko für eine HIV-Infektion, kann eine Postexpositionsprophylaxe (PEP) durchgeführt werden. Diese muss so schnell wie möglich (am besten innerhalb von 2–24 Stunden, spätestens nach 72 Stunden) in einer spezialisierten Klinik oder Schwerpunktpraxis begonnen werden.
- Tests: Viele Infektionen (Chlamydien, Gonorrhö, HIV, Syphilis) lassen sich erst nach einer gewissen Zeit (Wochen) zuverlässig nachweisen. Vereinbaren Sie bei Unsicherheit einen Termin beim Hautarzt (Urologen/Gynäkologen) oder beim Gesundheitsamt für einen Test in etwa 2–6 Wochen.
5. Ursachenforschung (Für die Zukunft)
Damit es beim nächsten Mal nicht wieder passiert, sollte man kurz überlegen, warum das Kondom gerissen ist:
- Falsche Größe: Zu kleine Kondome stehen unter zu hoher Spannung, zu große werfen Falten.
- Falsches Gleitmittel: Ölhaltige Mittel (Massageöl, Vaseline, Bodylotion) machen Latex sofort porös. Nur wasser- oder silikonbasierte Gleitmittel verwenden.
- Lagerung: Wurde das Kondom in der Sonne, im heißen Auto oder im Geldbeutel (Reibung!) aufbewahrt?
- Anwendungsfehler: Wurde beim Öffnen der Packung mit Fingernägeln oder Zähnen nachgeholfen? Wurde die Luft aus der Reservoirspitze gedrückt?
- Haltbarkeit: War das Verfallsdatum überschritten?
Zusammenfassend: Keine Panik, aber zeitnah (am besten noch heute) in die Apotheke oder zum Arzt gehen, um die Möglichkeiten der Notfallverhütung zu besprechen.