Wie stark belasten Einweg-Kaffeebecher die Umwelt durch das enorme Müllaufkommen?
Die Belastung der Umwelt durch Einweg-Kaffeebecher ist massiv und lässt sich in verschiedene Kategorien unterteilen: den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung, das enorme Müllaufkommen und die Problematik bei der Entsorgung bzw. dem Recycling.
Hier sind die wichtigsten Fakten zur Umweltbelastung (bezogen auf Daten für Deutschland und global):
1. Das schiere Müllvolumen
In Deutschland werden laut Erhebungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH) jährlich etwa 2,8 Milliarden Einwegbecher verbraucht. Das bedeutet:
- Pro Stunde werden ca. 320.000 Becher weggeworfen.
- Das entspricht einem Müllberg von rund 40.000 Tonnen pro Jahr (allein für die Becher, ohne Deckel und Rührstäbchen).
- Ein Becher wird im Durchschnitt nur 15 Minuten genutzt, bevor er im Abfall landet.
2. Ressourcenverbrauch und CO2-Bilanz
Einwegbecher bestehen meist aus Primärfasern (frischem Holz), da Recyclingpapier aus hygienischen Gründen und wegen der Stabilität seltener verwendet wird.
- Holz: Für die Produktion in Deutschland werden jährlich zehntausende Tonnen Rohpappe benötigt, wofür rechnerisch Zehntausende Bäume gefällt werden.
- Wasser: Die Papierherstellung ist extrem wasserintensiv.
- Energie: Die Herstellung und der weltweite Transport der Becher verbrauchen enorme Mengen an Energie, was zu einem hohen CO2-Ausstoß führt (ca. 110.000 Tonnen CO2 pro Jahr allein in Deutschland).
3. Das Recycling-Problem (Verbundmaterial)
Einweg-Kaffeebecher sind kein reiner Papiermüll. Damit sie durch den heißen Kaffee nicht aufweichen, sind sie auf der Innenseite mit einer dünnen Kunststoffschicht (meist Polyethylen) beschichtet.
- Schwierige Trennung: Diese Verbindung aus Papier und Kunststoff lässt sich nur in speziellen Anlagen trennen. Da die Becher meist im öffentlichen Raum (Straßenpapierkörbe) oder im Restmüll landen, werden sie fast nie recycelt, sondern fast immer verbrannt.
- Plastikdeckel: Die Deckel bestehen meist aus Polystyrol (PS) oder Polypropylen (PP). Sie erhöhen den Plastikmüllanteil erheblich und brauchen Jahrhunderte, um zu zerfallen.
4. Littering und Mikroplastik
Ein großer Teil der Becher landet nicht im Mülleimer, sondern in der Natur oder auf der Straße ("Littering").
- Verschmutzung: Sie gehören zu den am häufigsten weggeworfenen Gegenständen im öffentlichen Raum.
- Mikroplastik: Wenn die Becher in der Umwelt zerfallen, löst sich die Kunststoffbeschichtung in winzige Partikel auf. Dieses Mikroplastik gelangt in den Boden und ins Grundwasser.
5. "Bio"-Becher sind oft keine Lösung
Becher aus Polylactid (PLA, "Maisstärke-Plastik") werden oft als umweltfreundlich beworben. In der Realität haben sie jedoch ähnliche Nachteile:
- Sie zersetzen sich in normalen Kompostieranlagen nicht schnell genug.
- Sie können im herkömmlichen Plastikrecycling den Prozess stören.
- Auch für sie müssen Ackerflächen und Ressourcen (Dünger, Wasser) für die Rohstoffe aufgewendet werden.
Fazit und Ausblick
Die Umweltbelastung ist deshalb so hoch, weil für ein extrem kurzlebiges Produkt ein enormer Aufwand an Rohstoffen betrieben wird, die nach einmaliger Nutzung unwiederbringlich verloren gehen (Lineare Wirtschaft statt Kreislaufwirtschaft).
Was hilft?
- Mehrwegsysteme: In Deutschland gibt es seit Januar 2023 eine Mehrwegangebotspflicht. Gastronomen müssen für "Coffee to go" auch eine Mehrwegalternative anbieten.
- Eigene Becher: Die Nutzung eines eigenen Thermo- oder Recup-Bechers spart bereits nach etwa 20 bis 30 Nutzungen (je nach Material) Ressourcen im Vergleich zum Einwegbecher ein.