Wie lange dauert der Zersetzungsprozess von Bio-Einweggeschirr unter industriellen Bedingungen?
Unter industriellen Bedingungen dauert der Zersetzungsprozess von Bio-Einweggeschirr in der Regel zwischen 8 und 12 Wochen.
Die genauen Zeitspanne hängt jedoch stark vom Material und der Einhaltung der europäischen Norm DIN EN 13432 ab. Diese Norm legt fest, wann ein Produkt als „industriell kompostierbar“ bezeichnet werden darf.
Hier sind die Details zum Prozess:
1. Die gesetzlichen Anforderungen (EN 13432)
Damit Einweggeschirr in einer industriellen Kompostierungsanlage als kompostierbar gilt, muss es folgende Kriterien erfüllen:
- Desintegration: Nach 12 Wochen müssen mindestens 90 % des Produkts so weit zerfallen sein, dass die Partikel durch ein 2-mm-Sieb passen.
- Biologischer Abbau: Innerhalb von maximal 6 Monaten müssen mindestens 90 % des organischen Materials in CO₂, Wasser und Biomasse umgewandelt worden sein.
2. Unterschiede je nach Material
Obwohl die Norm einen Rahmen vorgibt, bauen sich verschiedene Materialien unterschiedlich schnell ab:
- Zuckerrohr (Bagasse) & Palmblatt: Diese Materialien sind Naturfasern. Sie zersetzen sich unter industriellen Bedingungen (hohe Feuchtigkeit, Temperaturen um 60–70 °C) oft sehr schnell, meist innerhalb von 4 bis 8 Wochen.
- PLA (Milchsäure-Kunststoff): Dieser Biokunststoff (oft für Kaltgetränkebecher oder Beschichtungen verwendet) ist hartnäckiger. Er benötigt zwingend Temperaturen über 60 °C, um überhaupt den Abbauprozess zu starten. In der Praxis braucht PLA oft die vollen 12 Wochen.
- Holz & Papier: Unbeschichtetes Holz oder Papier zersetzt sich schnell, wobei massives Holz (z. B. Besteck) länger braucht als dünnes Papier.
3. Das Problem in der Realität (Praxis vs. Theorie)
Obwohl die Stoffe theoretisch in 12 Wochen abgebaut sind, gibt es in der Realität ein Problem:
- Kurze Durchlaufzeiten: Viele industrielle Kompostieranlagen arbeiten mit deutlich kürzeren Zyklen (oft nur 4 bis 6 Wochen), um wirtschaftlich zu arbeiten.
- Aussortierung: Da Bio-Einweggeschirr (insbesondere PLA) für die Sortiermaschinen oft wie herkömmliches Plastik aussieht, wird es häufig am Anfang des Prozesses als „Störstoff“ aussortiert und verbrannt, statt kompostiert zu werden.
4. Industrielle Bedingung vs. Heimkompost
Es ist wichtig zu wissen, dass „industriell kompostierbar“ nicht bedeutet, dass das Geschirr auch auf dem Gartenkompost verrottet.
- Im Garten werden die notwendigen Temperaturen von 60 °C meist nicht erreicht.
- Ein PLA-Becher kann auf einem normalen Komposthaufen Jahre überdauern, ohne sich nennenswert zu zersetzen.
Fazit: Unter optimalen industriellen Bedingungen ist das Geschirr nach 3 Monaten weitestgehend verschwunden, in der Praxis landet es jedoch aufgrund der kurzen Anlagenzyklen leider meist in der Müllverbrennung.