Warum darf Bio-Einweggeschirr meistens nicht über die heimische Biotonne entsorgt werden?
Es klingt zunächst widersprüchlich: Warum darf Geschirr, das als „kompostierbar“ oder „biologisch abbaubar“ zertifiziert ist, nicht in den Biomüll?
Die Antwort liegt in der Diskrepanz zwischen theoretischen Laborbedingungen und der Praxis in deutschen Kompostieranlagen. Hier sind die Hauptgründe:
1. Zu lange Abbauzeiten (Rottezeiten)
In industriellen Kompostieranlagen läuft der Prozess der Zersetzung sehr schnell ab – meist dauert ein Zyklus nur 6 bis 12 Wochen. Zertifiziertes Bio-Geschirr (nach der Norm DIN EN 13432) muss zwar biologisch abbaubar sein, darf dafür aber bis zu 12 Wochen brauchen, und das unter idealen Laborbedingungen (konstant hohe Temperaturen und Feuchtigkeit).
- Das Problem: In der Realität werden die Teile in der kurzen Zeit nicht vollständig zersetzt. Es bleiben sichtbare Fragmente übrig, die die Qualität des fertigen Komposts mindern.
2. Verwechslungsgefahr mit herkömmlichem Plastik
Für die Mitarbeiter in den Sortieranlagen oder für automatisierte Scansysteme ist Bio-Plastik (z. B. aus PLA) optisch kaum von herkömmlichem Plastik (aus Erdöl) zu unterscheiden.
- Die Folge: Um die Reinheit des Komposts zu garantieren, wird alles, was wie Plastik aussieht, als „Störstoff“ aussortiert und verbrannt. Wenn zu viel „falsches“ Plastik im Biomüll landet, muss im schlimmsten Fall die ganze Charge als Restmüll entsorgt werden, was sehr teuer ist.
3. Fehlender Nährwert für den Boden
Der Sinn von Biomüll ist die Gewinnung von hochwertigem Kompost (Dünger) oder Biogas.
- Bio-Einweggeschirr (selbst wenn es aus Maisstärke oder Zuckerrohr besteht) trägt kaum zur Humusbildung bei. Es zerfällt im Wesentlichen zu Wasser und CO₂. Es bietet also keinen Mehrwert für die Landwirtschaft, sondern ist lediglich ein Entsorgungsproblem.
4. Die Zertifizierung ist irreführend für den Heimgebrauch
Viele Produkte tragen das Siegel „kompostierbar“. Das bezieht sich jedoch fast immer auf industrielle Kompostierung. Auf dem heimischen Komforthaufen im Garten sind die Temperaturen viel zu niedrig, als dass sich Bio-Plastik-Gabeln oder -Becher dort zersetzen würden. Sie würden dort jahrelang liegen bleiben.
5. Rechtliche Vorgaben
In vielen Kommunen verbieten die Abfallsatzungen die Entsorgung von Bio-Kunststoffen in der Biotonne explizit. Die Entsorger wollen damit sicherstellen, dass kein Mikroplastik (durch nicht vollständig zersetzte Bio-Kunststoffe) auf die Felder gelangt.
Wo soll es stattdessen hin?
Wenn es nicht explizit anders auf der Verpackung steht (und von deiner Kommune erlaubt ist), gehört Bio-Einweggeschirr in den Restmüll. Dort wird es verbrannt, und die dabei entstehende Energie wird zur Strom- oder Wärmeerzeugung genutzt. Das ist ökologisch meist sinnvoller als den Kompostierungsprozess zu stören.
Fazit: „Bio“ bedeutet bei Einweggeschirr meist nur, dass es aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, nicht aber, dass es problemlos in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt werden kann. Die beste Lösung bleibt weiterhin echtes Mehrweggeschirr.