Aus welchen nachwachsenden Rohstoffen wird Bio-Einweggeschirr hergestellt?
Bio-Einweggeschirr wird aus einer Vielzahl von nachwachsenden Rohstoffen hergestellt, die oft als Nebenprodukte in der Landwirtschaft oder Lebensmittelindustrie anfallen. Hier sind die wichtigsten Materialien:
1. Zuckerrohr (Bagasse)
Bagasse ist das, was übrig bleibt, wenn der Saft aus dem Zuckerrohr gepresst wurde.
- Eigenschaften: Sehr stabil, hitzebeständig und wasserresistent.
- Produkte: Teller, Schalen und Menüboxen.
- Vorteil: Es ist ein reines Abfallprodukt, für das keine zusätzlichen Flächen angebaut werden müssen.
2. Maisstärke (PLA & CPLA)
Aus dem Zucker der Maisstärke wird durch Fermentierung Milchsäure gewonnen, die zu Polylactid (PLA) polymerisiert wird.
- PLA: Ein transparenter Biokunststoff, der wie herkömmliches Plastik aussieht, aber nur bis ca. 40 °C formstabil ist (für Kaltgetränke).
- CPLA: Kristallisiertes PLA, das durch Zugabe von Talkum hitzebeständig (bis ca. 85 °C) gemacht wird.
- Produkte: Becher, Besteck, Deckel und Trinkhalme.
3. Palmblatt
Hierfür werden die abgefallenen Blattscheiden der Areka-Palme gesammelt, gereinigt und unter Hitze in Form gepresst.
- Eigenschaften: Jedes Stück ist ein Unikat mit einer holzartigen Maserung. Es ist sehr robust, wasserdicht und hitzebeständig (ofen- und mikrowellengeeignet).
- Produkte: Hochwertige Teller und Schalen.
- Vorteil: Keine chemischen Zusätze oder Beschichtungen nötig.
4. Holz (meist Birke oder Pappel)
Holz wird meist aus nachhaltiger Forstwirtschaft (FSC-zertifiziert) gewonnen.
- Eigenschaften: Stabil und geschmacksneutral (wenn gut verarbeitet). Oft wird es mit einer dünnen Schicht Biowachs überzogen, um das Mundgefühl zu verbessern.
- Produkte: Besteck, Rührstäbchen, Spieße und kleine Boote für Fingerfood.
5. Bambus
Bambus wächst extrem schnell und benötigt kaum Dünger oder Pestizide.
- Eigenschaften: Sehr hart und stabil.
- Produkte: Besteck, Trinkhalme und Schalen.
- Wichtig: Bei Einweggeschirr aus Bambusfasern (oft Melamin-Gemische) ist Vorsicht geboten, da diese bei Hitze Schadstoffe abgeben können. Reines Bambusholz ist hingegen unbedenklich.
6. Weizenkleie
Ein Nebenprodukt der Mehlproduktion.
- Eigenschaften: Die Kleie wird unter hohem Druck und Temperatur gepresst.
- Produkte: Teller und Schalen.
- Besonderheit: Dieses Geschirr ist theoretisch sogar essbar und zersetzt sich im Gartenkompost extrem schnell (innerhalb von ca. 30 Tagen).
7. Papier und Pappe (Zellulose)
Hergestellt aus Holzfasern oder recyceltem Papier.
- Eigenschaften: Für fetthaltige oder flüssige Speisen benötigen Pappteller oft eine Beschichtung.
- Beschichtung: Früher wurde Polyethylen (PE) genutzt, heute meist PLA oder wasserbasierte Barrieren, damit das Geschirr kompostierbar bleibt.
8. Agrar-Reste (Stroh, Stängel)
Inzwischen gibt es auch Hersteller, die Fasern von Getreidestroh (Weizen, Reis) oder anderen Nutzpflanzen verwenden, die nach der Ernte auf dem Feld verbleiben würden.
Ein wichtiger Hinweis zur Entsorgung:
Auch wenn diese Materialien „bio“ sind, dürfen sie in Deutschland meist nicht in die Biotonne, da sie in den industriellen Kompostieranlagen zu langsam verrotten. Sie gehören in der Regel in den Restmüll (wo sie immerhin CO2-neutraler verbrennen als erdölbasiertes Plastik) oder – falls ausdrücklich vom Hersteller für den Heimkompost zertifiziert – auf den eigenen Komposthaufen.