Wie hoch ist der Anteil an unerwünschtem Beifang bei der Wildfang-Methode von Scampis?
Der Anteil an unerwünschtem Beifang bei der Wildfang-Methode von Scampis (wissenschaftlich: Kaisergranat oder Nephrops norvegicus) gilt als einer der höchsten in der gesamten Fischereiindustrie.
Wie hoch der Anteil genau ist, hängt stark von der verwendeten Fangmethode ab:
1. Grundschleppnetze (Die gängigste Methode)
Der Großteil der im Handel erhältlichen Scampis wird mit Bodenschleppnetzen gefangen. Da Scampis am Meeresboden leben und relativ klein sind, müssen engmaschige Netze verwendet werden.
- Beifangquote: Diese liegt häufig zwischen 70 % und 90 % des Gesamtfangs.
- Verhältnis: In vielen Gebieten (z. B. Nordsee oder Mittelmeer) kommen auf 1 Kilogramm Scampis etwa 4 bis 9 Kilogramm Beifang.
- Zusammensetzung: Der Beifang besteht meist aus Jungfischen (z. B. Kabeljau, Scholle, Wittling), Seesternen, Krebsen und anderen Meeresbewohnern. Da diese Tiere den Druck im Netz oft nicht überleben oder beim Sortieren an Deck sterben, werden sie meist tot oder sterbend wieder über Bord geworfen („Discards“).
2. Fallen- oder Korbfang (Die nachhaltige Alternative)
Eine deutlich umweltfreundlichere, aber seltener praktizierte Methode ist der Fang mit Körben oder Reusen (Creels).
- Beifangquote: Diese ist sehr gering (oft unter 5 % bis 10 %).
- Vorteil: Da die Tiere lebend gefangen werden, können unerwünschte Arten oder zu kleine Scampis fast unbeschadet wieder ins Wasser zurückgesetzt werden. Zudem wird der Meeresboden nicht durch schwere Netze beschädigt.
Warum ist die Quote bei Schleppnetzen so hoch?
- Engmaschigkeit: Um die schmalen Scampis zu fangen, dürfen die Netzmaschen nicht groß sein. Dadurch können jedoch auch kleine Fische nicht entkommen.
- Lebensraum: Der Meeresboden ist ein sehr artenreicher Raum. Alles, was sich im Weg des Netzes befindet, wird miterfasst.
- Mischfischerei: In vielen Regionen ist der Beifang von Scampis eigentlich das Ziel anderer Fischereien, oder Scampis sind der Beifang beim Fischen auf Seezungen – die Grenzen sind hier oft fließend.
Bemühungen zur Reduzierung
In der EU gibt es mittlerweile strengere Vorschriften, wie zum Beispiel:
- Selektionsgitter: Der Einsatz von Fluchtfenstern oder Gittern im Netz (z. B. das „Seltra-Getriebe“), die es Fischen ermöglichen sollen, aus dem Scampi-Netz zu entkommen.
- Anlandeverpflichtung: Das Verbot, Beifang einfach über Bord zu werfen, um Anreize für selektivere Fangmethoden zu schaffen.
Fazit: Wenn Sie Scampis mit geringem Beifang konsumieren möchten, sollten Sie auf das Siegel „aus Korbfang“ (engl. creel-caught) achten. Scampis aus herkömmlicher Schleppnetzfischerei haben eine der schlechtesten ökologischen Bilanzen bezüglich des Beifangs.