Wie ermittelt man die korrekte Größe eines Dichtungsrings?
Um die korrekte Größe eines Dichtungsrings (meistens ein O-Ring) zu ermitteln, benötigt man in der Regel zwei Maße: den Innendurchmesser und die Schnurstärke (Dicke).
Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Sie dabei vorgehen:
1. Die benötigten Werkzeuge
Verwenden Sie nach Möglichkeit einen Messschieber (Schieblehre). Ein Lineal oder Zollstock ist oft zu ungenau, da es bei Dichtungen auf Millimeterbruchteile ankommt.
2. Die zwei wichtigsten Maße bestimmen
Ein O-Ring wird immer nach dem Schema Innendurchmesser $\times$ Schnurstärke angegeben (z. B. $10 \times 2$ mm).
- Innendurchmesser ($d_1$): Messen Sie den lichten Abstand von einer Innenkante zur gegenüberliegenden Innenkante.
- Schnurstärke ($d_2$): Messen Sie die Dicke des Materials an einer Stelle (nicht den Gesamtdurchmesser des Rings).
3. Zwei Wege zur Ermittlung
Weg A: Messen des alten Dichtungsrings (falls vorhanden)
Dies ist die einfachste Methode, hat aber Tücken:
- Vorsicht: Alte Dichtungen sind oft verformt, gequollen oder geschrumpft.
- Legen Sie den Ring flach auf eine ebene Fläche, ohne ihn zu dehnen.
- Messen Sie den Innendurchmesser und die Dicke.
- Runden Sie auf das nächste Standardmaß auf oder ab (O-Ringe gibt es in genormten Schritten).
Weg B: Messen der Einbaustelle (Nut/Gehäuse) – Sicherere Methode
Wenn die alte Dichtung fehlt oder beschädigt ist, messen Sie die Metallteile:
- Durchmesser der Nut: Messen Sie den Grund der Nut, in der der Ring liegen soll.
- Breite der Nut: Wie viel Platz hat der Ring in der Breite?
- Tiefe der Nut: Dies bestimmt die benötigte Schnurstärke.
Wichtig: Ein O-Ring muss im eingebauten Zustand leicht gequetscht werden, damit er dichtet. Die Schnurstärke sollte also etwa 15 % bis 30 % dicker sein als die Tiefe der Nut.
4. Die richtige Passung wählen
- Innendurchmesser: Der Ring sollte fest sitzen. Er darf ruhig 1–5 % kleiner sein als der Durchmesser des Bolzens/der Nut (er wird dann leicht gedehnt). Er darf aber auf keinen Fall zu groß sein, sonst wirft er Falten.
- Schnurstärke: Wie erwähnt, muss der Ring etwas dicker sein als die Nuttiefe, damit beim Zusammenbau Pressung entsteht.
5. Sonderfall: Flachdichtungen
Falls es sich nicht um einen O-Ring, sondern um eine flache Dichtung (z. B. für Siphons oder Verschraubungen) handelt, benötigen Sie drei Maße:
- Außendurchmesser
- Innendurchmesser
- Stärke (Dicke)
6. Material beachten
Die Größe allein reicht oft nicht aus. Fragen Sie sich:
- Wasser/Sanitär: Meist EPDM oder NBR (schwarz).
- Öl/Benzin: NBR (Nitril).
- Hohe Temperaturen/Chemikalien: FKM/FPM (Viton, oft braun oder grün).
- Trinkwasser: Achten Sie auf die entsprechende Zulassung (z. B. KTW/W270).
Profi-Tipp: Wenn Sie unsicher sind, nehmen Sie die alte Dichtung oder das Bauteil mit in den Fachhandel oder Baumarkt. Es gibt dort oft Prüfschablonen, in die man den Ring einlegen kann, um die Größe sofort abzulesen.