Wie effektiv sind aktuelle Pfandsysteme für Mehrwegbecher als Alternative zum klassischen Coffee to go?

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Die Effektivität von Pfandsystemen für Mehrwegbecher ist ein zweischneidiges Schwert: Technisch und ökologisch sind sie dem Einwegbecher weit überlegen, doch in der praktischen Umsetzung gibt es noch Hürden.

Seit der Einführung der Mehrwegangebotspflicht in Deutschland (Januar 2023) müssen Gastronomen eine Mehrwegalternative anbieten. Hier ist eine detaillierte Analyse der Effektivität:

1. Die ökologische Bilanz (Der "Break-even-Point")

Ein Mehrwegbecher ist nicht automatisch umweltfreundlich. Seine Bilanz hängt davon ab, wie oft er tatsächlich genutzt wird.

  • Material: Die meisten Systeme nutzen Polypropylen (PP), das robust und gut recycelbar ist.
  • Nutzungshäufigkeit: Ein Mehrwegbecher muss je nach Studie etwa 25 bis 50 Mal gespült und wiederverwendet werden, um ökologisch besser abzuschneiden als ein Einwegbecher (unter Berücksichtigung von Wasser- und Energieverbrauch für die Reinigung).
  • Effektivität: Hoch, sofern der Becher im Kreislauf bleibt. Wenn Kunden den Becher jedoch zu Hause horten oder ihn nach zwei Nutzungen wegwerfen, ist die Bilanz schlechter als bei Einwegbechern.

2. Marktabdeckung und Systeme

In Deutschland haben sich verschiedene Ansätze etabliert:

  • Insel-Systeme: Cafés nutzen eigene Becher, die nur dort zurückgegeben werden können. Effektivität: Gering, da die Hürde für Kunden zu hoch ist.
  • Verbund-Systeme (z. B. RECUP): Dies ist das aktuell effektivste Modell. Mit über 20.000 Partnerstationen deutschlandweit ist die Rückgabe einfach. Das Pfandsystem (meist 1 €) sorgt für eine hohe Rücklaufquote.
  • Digitale Systeme (z. B. Vytal): Diese funktionieren pfandfrei über eine App. Werden die Becher nicht zurückgebracht, wird eine Gebühr fällig. Effektivität: Hoch, da die psychologische Hürde des "Bezahlens" wegfällt, aber die App-Nutzung schreckt manche Gelegenheitskunden ab.

3. Die größten Herausforderungen (Warum es noch nicht perfekt ist)

Obwohl das Angebot da ist, bleibt der "Coffee to go" im Einwegbecher oft noch dominant:

  • Bequemlichkeit: Viele Kunden scheuen das Mitführen eines leeren Bechers oder die Suche nach einer Rückgabestation.
  • Hygiene-Bedenken: Unbegründet, aber in den Köpfen der Konsumenten präsent. Die Becher werden in Gastronomiespülmaschinen industriell gereinigt.
  • Fehlende Standardisierung: Es gibt kein einheitliches "Deutschland-System". Wer bei Kette A einen Becher leiht, kann ihn oft nicht bei Kette B zurückgeben, wenn diese unterschiedliche Anbieter nutzen.
  • "Schubladen-Effekt": Millionen von Mehrwegbechern liegen ungenutzt in deutschen Küchenschränken oder Autos. Damit entziehen sie sich dem Kreislauf und müssen durch Neuproduktionen ersetzt werden.

4. Rechtliche Rahmenbedingungen als Treiber

Die gesetzliche Pflicht seit 2023 hat die Verfügbarkeit massiv erhöht. Allerdings gibt es ein Schlupfloch: Kleine Betriebe (unter 80 qm und weniger als 5 Mitarbeiter) dürfen auch mitgebrachte Gefäße der Kunden befüllen, statt ein eigenes Pfandsystem anzubieten. Das führt oft dazu, dass dort weiterhin primär Einweg genutzt wird.

Fazit: Wie effektiv sind sie?

Aktuelle Pfandsysteme sind hochgradig effektiv als technische Lösung, aber noch mäßig effektiv in der breiten Verhaltensänderung.

  • Positiv: Sie verhindern jährlich Millionen Tonnen Abfall und sensibilisieren für das Thema Kreislaufwirtschaft. Marktführer wie RECUP zeigen, dass ein flächendeckendes Netz funktioniert.
  • Negativ: Solange Einwegbecher (oft mit einer "Strafgebühr" von nur wenigen Cents) weiterhin erlaubt sind, wählen viele Kunden den Weg des geringsten Widerstands.

Prognose: Die Effektivität wird steigen, wenn entweder die Abgaben auf Einwegbecher massiv erhöht werden (wie z. B. die Verpackungssteuer in Tübingen) oder wenn sich ein einheitlicher Standard durchsetzt, der die Rückgabe so einfach macht wie bei Bierflaschen.