Führen Coffee-to-go-Becher zu einer verstärkten Verschmutzung des öffentlichen Raums („Littering“)?
Ja, Coffee-to-go-Becher tragen signifikant zur Verschmutzung des öffentlichen Raums (Littering) bei. Sie gehören laut verschiedenen Studien und Erhebungen von Städten und Umweltschutzorganisationen zu den am häufigsten weggeworfenen Gegenständen im öffentlichen Raum.
Hier sind die wichtigsten Gründe und Fakten dazu:
1. Enormes Aufkommen
Nach Daten der Deutschen Umwelthilfe (DUH) werden in Deutschland jährlich etwa 2,8 Milliarden Einweg-Becher verbraucht. Das entspricht etwa 320.000 Bechern pro Stunde. Ein Großteil dieser Becher wird unterwegs genutzt und landet oft nicht in dafür vorgesehenen Abfallbehältern, sondern auf Straßen, in Parks oder in der Natur.
2. Psychologie des „To-go“-Konsums
Da das Getränk im Gehen oder Fahren konsumiert wird, befinden sich die Konsumenten oft weit entfernt von der Verkaufsstelle, wenn der Becher leer ist. Wenn öffentliche Mülleimer überfüllt sind oder fehlen, sinkt die Hemmschwelle, den Becher einfach abzustellen oder wegzuwerfen. Einweg-Becher werden als wertloses Produkt wahrgenommen, was unachtsames Entsorgen begünstigt.
3. Überlastung der städtischen Mülleimer
Coffee-to-go-Becher haben ein großes Volumen, aber ein geringes Gewicht. Sie füllen öffentliche Mülleimer sehr schnell auf, ohne dass diese gewichtsmäßig voll wären. Die Folge sind überquellende Abfallbehälter, aus denen der Wind die leichten Becher (und die dazugehörigen Plastikdeckel) herausträgt und in der Umgebung verteilt.
4. Problem der Materialzusammensetzung
Einwegbecher bestehen meist nicht nur aus Pappe, sondern sind innen mit Kunststoff (meist Polyethylen) beschichtet, damit sie nicht durchweichen. Hinzu kommen Deckel aus Plastik und oft Rührstäbchen.
- Recycling-Problem: Da es sich um Verbundmaterialien handelt, ist die Trennung schwierig.
- Umweltbelastung: In der Natur zersetzen sie sich nur sehr langsam und zerfallen stattdessen zu Mikroplastik.
5. Kosten für die Allgemeinheit
Die Beseitigung von gelitterten Einwegbechern verursacht hohe Kosten für Kommunen und Stadtreinigungen. Diese Kosten werden letztlich über Steuern und Gebühren von der Allgemeinheit getragen, während die Verkäufer und Konsumenten der Becher diese externen Kosten nicht direkt tragen.
Gegenmaßnahmen und Trends
Um das Problem in den Griff zu bekommen, wurden in den letzten Jahren verschiedene Maßnahmen ergriffen:
- Mehrwegangebotspflicht: Seit Januar 2023 müssen Gastronomiebetriebe in Deutschland (ab einer bestimmten Größe) eine Mehrwegalternative für To-go-Getränke anbieten.
- Pfandsysteme: Anbieter wie RECUP oder Vytal versuchen, Einwegbecher durch flächendeckende Pfandsysteme zu ersetzen.
- Verpackungssteuern: Städte wie Tübingen haben eine eigene Steuer auf Einwegverpackungen eingeführt, um den Anreiz für Mehrweglösungen zu erhöhen (was rechtlich teilweise umstritten war, aber letztlich bestätigt wurde).
- Rabatte: Viele Cafés gewähren einen Preisnachlass, wenn Kunden ihren eigenen Becher mitbringen.
Fazit: Coffee-to-go-Becher sind ein Paradebeispiel für das Littering-Problem. Sie sind ein kurzlebiges Wegwerfprodukt, das aufgrund massenhafter Nutzung und mangelhafter Entsorgung die Stadthygiene und die Umwelt erheblich belastet.