Welchen Einfluss haben Schmuck oder künstliche Fingernägel auf den Erfolg der Desinfektion?

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Schmuck und künstliche Fingernägel haben einen erheblich negativen Einfluss auf den Erfolg der Händedesinfektion. In Bereichen, in denen Hygiene kritisch ist (z. B. Medizin, Pflege, Lebensmittelverarbeitung), sind sie deshalb in der Regel streng untersagt.

Hier sind die Gründe im Detail, unterteilt in die verschiedenen Faktoren:

1. Einfluss von Schmuck (Ringe, Armbanduhren, Armbänder)

Schmuckstücke verhindern eine lückenlose Benetzung der Haut mit dem Desinfektionsmittel.

  • Abschirmungseffekt: Unter Ringen oder Uhren entstehen „Hygienelücken“. Das Desinfektionsmittel gelangt nicht an die darunterliegende Hautpartie.
  • Keimreservoir: Keime (Bakterien, Viren, Pilze) sammeln sich in den Zwischenräumen, Gravuren oder unter der Fassung von Edelsteinen an. Diese Bereiche sind durch einfaches Einreiben kaum zu entkeimen.
  • Hautschädigung: Unter Schmuckstücken bleibt die Haut oft feucht (Mazeration). Dies schädigt die natürliche Hautbarriere, führt zu Reizungen und begünstigt die Ansiedlung von Krankheitserregern (insbesondere der transienten Flora, also Keimen, die man von außen aufnimmt).
  • Verletzungsgefahr: Schmuck kann Handschuhe beschädigen (Perforation), wodurch die Schutzwirkung verloren geht.

2. Einfluss von künstlichen Fingernägeln (Gel, Acryl)

Künstliche Nägel gelten in der Hygiene als eines der größten Risiken für die Händehygiene.

  • Höhere Keimbesiedlung: Studien zeigen, dass auf künstlichen Nägeln deutlich mehr Mikroorganismen (insbesondere gramnegative Stäbchen wie Pseudomonas oder Hefepilze) zu finden sind als auf Naturnägeln.
  • Materialbeschaffenheit: Mit der Zeit entstehen mikroskopisch kleine Risse oder Ablösungen („Liftings“) im Material. In diesen Nischen können sich Keime vermehren, die durch eine Desinfektion nicht mehr erreicht werden.
  • Erschwerte Reinigung: Künstliche Nägel sind oft länger als Naturnägel. Je länger der Nagel, desto schwieriger ist die Reinigung und Desinfektion der Fingerbeeren und des Nagelfalzes.
  • Handschuhdefekte: Lange oder spitze künstliche Nägel führen häufiger zu unbemerkten Rissen in Einmalhandschuhen.

3. Einfluss von Nagellack

Auch scheinbar harmloser Nagellack mindert den Erfolg der Desinfektion:

  • Rissbildung: Sobald der Lack splittert oder feine Risse aufweist, bieten diese Stellen ideale Schlupfwinkel für Erreger.
  • Sichtkontrolle: Nagellack (besonders dunkler) verhindert, dass man Verschmutzungen unter den Nägeln sieht.
  • Hautverträglichkeit: Desinfektionsmittel können den Lack lösen, was zu klebrigen Rückständen führt, an denen Keime noch besser haften bleiben.

Zusammenfassung der Folgen

Wenn Schmuck getragen wird oder die Nägel künstlich sind, passiert bei der Desinfektion Folgendes:

  1. Reduzierte Keimreduktion: Die geforderte Reduktion der Keimzahl (Log-Stufen) wird nicht erreicht.
  2. Keimverschleppung: Man wiegt sich in falscher Sicherheit, trägt aber unter dem Ring oder im Riss des Gelnagels weiterhin infektiöses Material mit sich herum und überträgt es auf Patienten oder Oberflächen.
  3. Hautflora-Veränderung: Die gesunde, schützende Hautflora wird gestört und durch potenziell krankmachende Keime ersetzt.

Fazit: Für eine wirksame Händedesinfektion müssen die Hände und Unterarme frei von Schmuck sein. Die Fingernägel sollten kurz, rund geschnitten und natürlich (kein Lack, kein Gel) sein. Dies ist auch die offizielle Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI) für medizinisches Personal.