Welche verschiedenen Darreichungsformen von Milchsäure-Kuren gibt es?
Milchsäure-Kuren werden vor allem eingesetzt, um den natürlichen pH-Wert der Vaginalflora wiederherzustellen oder aufrechtzuerhalten (meist nach einer Antibiotika-Therapie, bei Infektionsanfälligkeit oder nach der Menstruation).
Hier sind die gängigsten Darreichungsformen und ihre Besonderheiten:
1. Vaginalgele (in Einmaltuben/Applikatoren)
Dies ist die am häufigsten verwendete Form. Das Gel ist meist in kleinen Tuben mit einem langen Hals vorportioniert.
- Anwendung: Das Ende der Tube wird in die Scheide eingeführt und der Inhalt durch Drücken entleert.
- Vorteile: Das Gel verteilt sich schnell und gleichmäßig an den Schleimhäuten. Es befeuchtet zusätzlich, was bei Trockenheitsgefühlen angenehm sein kann.
- Nachteil: Da Gele flüssiger werden, wenn sie sich erwärmen, kann es zu verstärktem Ausfluss kommen.
2. Vaginalzäpfchen (Ovula)
Zäpfchen bestehen aus einer festen Fett- oder Wachsbasis, die die Milchsäure umschließt.
- Anwendung: Das Zäpfchen wird mit dem Finger tief in die Scheide eingeführt. Durch die Körperwärme schmilzt es dort langsam.
- Vorteile: Einfache Handhabung, diskret und meist weniger „klebrig“ in der Handhabung als Gele vor dem Einführen. Sie lassen sich oft besser lagern (müssen aber vor Hitze geschützt werden).
- Nachteil: Es dauert einen Moment, bis das Zäpfchen geschmolzen ist und die Wirkung voll einsetzt.
3. Vaginalkapseln
Ähnlich wie Zäpfchen, aber oft mit einer festen Hülle (meist Gelatine), die sich im feuchten Milieu auflöst.
- Besonderheit: Oft handelt es sich hierbei nicht um reine Milchsäure-Kuren, sondern um Vaginal-Probiotika. Diese enthalten lebende Milchsäurebakterien (Laktobazillen), die die Säure erst vor Ort produzieren.
4. Vaginaltabletten
Diese sind flacher und fester als Zäpfchen.
- Anwendung: Sie werden ebenfalls tief eingeführt. Manche Präparate benötigen eine gewisse Grundfeuchtigkeit der Scheide, um sich optimal aufzulösen.
- Vorteil: Sie sind sehr kompakt und verursachen oft weniger "Auslaufen" als fettbasierte Zäpfchen.
5. Kombinationspackungen
Einige Hersteller bieten Kuren an, die Milchsäure mit anderen Wirkstoffen kombinieren, z. B.:
- Milchsäure + Glykogen: Glykogen dient den nützlichen Milchsäurebakterien als Nahrung.
- Milchsäure + Salbei/Kamille: Zur zusätzlichen Beruhigung der gereizten Schleimhaut.
Wichtige Tipps zur Anwendung:
- Zeitpunkt: Milchsäure-Kuren sollten am besten abends vor dem Schlafengehen angewendet werden. Im Liegen bleibt der Wirkstoff länger in der Scheide und läuft nicht sofort wieder heraus.
- Schutz: Da fast alle Formen (besonders Gele und Zäpfchen) teilweise wieder abfließen, ist die Verwendung einer Slipeinlage während der Kur ratsam, um die Wäsche zu schützen.
- Dauer: Eine klassische Kur dauert meist 5 bis 7 Tage.
- Unterscheidung: Achten Sie darauf, ob Sie eine reine Milchsäure-Kur (zur schnellen Senkung des pH-Werts) oder eine Milchsäurebakterien-Kur (zum Wiederaufbau der Flora durch Bakterien) benötigen. Oft ist eine Kombination sinnvoll.
Hinweis: Bei brennenden Schmerzen, starkem Juckreiz oder fischigem Geruch sollte vor einer Eigenbehandlung immer ein Frauenarzt aufgesucht werden, um eine bakterielle Vaginose oder eine Pilzinfektion abzuklären.