Kann eine Milchsäure-Kur eine bestehende Scheidenpilzinfektion verschlimmern?
Die kurze Antwort lautet: Ja, eine Milchsäure-Kur kann die Symptome einer bestehenden Scheidenpilzinfektion verschlimmern oder zumindest unangenehmer machen.
Hier sind die Gründe, warum das so ist und was du beachten solltest:
1. Milchsäure bekämpft keinen Pilz
Milchsäure (als Gel oder Zäpfchen) wird primär eingesetzt, um den pH-Wert der Scheide anzusäuern. Das hilft gegen bakterielle Infektionen (Vaginosen), da krankmachende Bakterien ein basisches Milieu bevorzugen. Hefepilze (Candida) hingegen fühlen sich in einem sauren Milieu (einem niedrigen pH-Wert) durchaus wohl. Die Milchsäure schadet dem Pilz also nicht.
2. Reizung der entzündeten Schleimhaut
Bei einer Pilzinfektion ist die Schleimhaut der Scheide oft stark entzündet, gerötet und gereizt. Wenn man in diese "offene" oder gereizte Umgebung eine Säure (Milchsäure) gibt, kann das ein starkes Brennen verursachen. Die Beschwerden werden dadurch subjektiv oft deutlich schlimmer.
3. Der Unterschied zwischen Pilz und Bakterien
Es ist wichtig, zwischen einer bakteriellen Infektion und einer Pilzinfektion zu unterscheiden:
- Bakterielle Vaginose: Der pH-Wert ist zu hoch (alkalisch). Hier hilft Milchsäure. Symptom: oft fischiger Geruch, dünnflüssiger Ausfluss.
- Scheidenpilz: Der pH-Wert ist meistens im normalen (sauren) Bereich. Hier hilft Milchsäure nicht. Symptom: starkes Jucken, Brennen, krümeliger ("quarkähnlicher") Ausfluss.
Was ist die richtige Reihenfolge?
Wenn du eine Pilzinfektion hast, ist die empfohlene Vorgehensweise meist folgende:
- Pilz behandeln: Zuerst muss die Infektion mit einem Antimykotikum (z. B. mit Wirkstoffen wie Clotrimazol oder Nystatin) bekämpft werden (als Creme und/oder Zäpfchen).
- Flora aufbauen (optional): Erst nachdem die Pilzinfektion erfolgreich behandelt wurde, macht es Sinn, eine Kur mit Milchsäure oder Probiotika (Milchsäurebakterien) zu machen, um das natürliche Gleichgewicht wiederherzustellen und Rückfällen vorzubeugen.
Empfehlung
Falls du bereits brennende Schmerzen nach der Anwendung von Milchsäure hast, solltest du diese absetzen. Wenn du unsicher bist, ob es ein Pilz oder Bakterien sind, empfiehlt sich ein Test aus der Apotheke oder – noch besser – ein Besuch beim Frauenarzt. Eine falsche Behandlung kann das Problem unnötig in die Länge ziehen.
Hinweis: Diese Antwort dient der Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose oder Beratung.