Welche verschiedenen Arten von Unterlegscheiben gibt es?

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Unterlegscheiben (fachsprachlich oft auch Beilagscheiben genannt) erfüllen verschiedene Aufgaben: Sie verteilen die Kraft des Schraubenkopfes auf eine größere Fläche, schützen die Oberfläche des Werkstücks oder verhindern, dass sich die Schraubverbindung durch Vibrationen lockert.

Hier sind die wichtigsten Arten von Unterlegscheiben, unterteilt nach ihrer Funktion:

1. Standard-Flachscheiben (Lastverteilung)

Diese Scheiben werden am häufigsten verwendet, um den Druck des Schraubenkopfes oder der Mutter gleichmäßig zu verteilen.

  • DIN 125 (Form A/B): Die klassische Standard-Unterlegscheibe.
  • DIN 9021 (Karosseriescheiben): Diese haben einen besonders großen Außendurchmesser (etwa dreimal so groß wie der Innendurchmesser). Sie werden oft bei weichen Materialien (wie Holz oder dünnem Blech) eingesetzt, um ein Ausreißen zu verhindern.
  • DIN 433: Kleine Unterlegscheiben, die speziell für Zylinderschrauben gedacht sind, da ihr Außendurchmesser geringer ist.

2. Sicherungsscheiben (Gegen Lockern)

Diese Scheiben sollen verhindern, dass sich eine Schraube durch Vibrationen oder Setzerscheinungen von selbst löst. Hinweis: Viele dieser klassischen Sicherungen gelten in der modernen Technik als nur bedingt wirksam und werden oft durch Klebesicherungen oder spezielle Keilsicherungsscheiben ersetzt.

  • Federringe (DIN 127): Ein aufgeschnittener, leicht gebogener Ring, der durch Federkraft Druck ausübt.
  • Fächerscheiben (DIN 6798): Haben innen- oder außenliegende „Zähne“, die sich beim Festziehen in das Material graben.
  • Zahnscheiben (DIN 6797): Ähnlich wie Fächerscheiben, aber die Zähne sind weniger zahlreich und oft schärfer.
  • Keilsicherungsscheiben (z. B. Nord-Lock): Bestehen aus zwei Scheiben mit Keilflächen, die ein Lockern durch Vibrationen physikalisch unmöglich machen. Sie gelten als die sicherste mechanische Lösung.
  • Schnorr-Scheiben: Eine tellerförmige Sicherungsscheibe mit Verzahnung, die oft im Maschinenbau genutzt wird.

3. Dichtscheiben

Diese kommen zum Einsatz, wenn eine Verbindung gleichzeitig gas- oder flüssigkeitsdicht sein muss (z. B. an Ölablassschrauben).

  • Kupferringe / Aluminiumringe: Weiche Metalle, die sich beim Festziehen verformen und so die Fuge abdichten.
  • Usit-Ringe: Ein Metallring, der innen eine Gummilippe (Elastomer) hat. Sie dichten besonders zuverlässig bei hohem Druck ab.
  • Vulkanfiber-Scheiben: Oft in der Sanitärtechnik zu finden.

4. Ausgleichs- und Spezialscheiben

Diese Scheiben dienen speziellen geometrischen Anforderungen.

  • Passscheiben (DIN 988): Sehr dünne Scheiben in verschiedenen Dicken (z. B. 0,1 mm oder 0,2 mm), um axiales Spiel auszugleichen.
  • Keilscheiben (DIN 434 / 435): Quadratische Scheiben mit einer Schräge (Neigung). Man braucht sie, um an U- oder I-Trägern (Stahlbau) die Neigung der Flansche auszugleichen, damit der Schraubenkopf gerade aufliegt.
  • Kugelscheiben & Kegelpfannen (DIN 6319): Dieses Paar wird verwendet, wenn Schraube und Werkstück nicht exakt im 90-Grad-Winkel zueinander stehen. Sie ermöglichen einen Winkelausgleich von einigen Grad.
  • Kotflügelscheiben: Ein anderer Begriff für Karosseriescheiben mit großem Rand.

5. Materialien

Je nach Einsatzort variiert auch das Material:

  • Stahl (verzinkt): Standard für Innenräume.
  • Edelstahl (A2 / A4): Für den Außenbereich oder chemische Industrie (A4 ist säurebeständig).
  • Kunststoff (Polyamid): Zur Isolierung (Elektrotechnik) oder wenn die Oberfläche extrem geschont werden soll.
  • Messing: Oft aus optischen Gründen oder im Sanitärbereich.

Zusammenfassend: Wenn du nur etwas festschrauben willst, ist die DIN 125 dein Standard. Wenn das Material dünn ist, nimm die Karosseriescheibe. Wenn Vibrationen im Spiel sind, greif zu Keilsicherungsscheiben.

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