Welche verschiedenen Arten von Scharnieren gibt es für Möbel und Türen?
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Scharniere (im Fachjargon oft auch „Bänder“ genannt) sind die beweglichen Verbindungsstücke zwischen einem Rahmen (Korpus) und einem beweglichen Teil (Tür oder Klappe). Man unterscheidet sie grob nach ihrem Einsatzort: Möbel und Türen.
Hier ist eine Übersicht der gängigsten Arten:
1. Möbelscharniere (für Schränke und Vitrinen)
Diese sind meist kleiner und oft so konstruiert, dass sie im geschlossenen Zustand unsichtbar sind.
- Topfscharniere (Topfbänder): Der Standard im modernen Möbelbau (z. B. Küchenschränke). Ein runder „Topf“ wird in die Tür eingelassen.
- Vorteil: In drei Dimensionen verstellbar (Höhe, Tiefe, Seite) und oft mit Dämpfung (Soft-Close).
- Klavierbänder (Stangenscharniere): Sehr lange, schmale Scharniere, die über die gesamte Länge einer Klappe oder Tür verschraubt werden.
- Einsatz: Truhendeckel, Klavierdeckel, schwere Klappen.
- Zylinderscharniere (Einbohrscharniere): Kleine, tonnenförmige Scharniere, die komplett im Holz versenkt werden.
- Vorteil: Bei geschlossener Tür absolut unsichtbar.
- Glasscharniere: Speziell für Glastüren. Sie werden entweder geklebt, geklemmt oder durch eine Bohrung im Glas befestigt.
- Klappenscharniere: Ermöglichen das Öffnen von Klappen nach oben (z. B. Oberschränke) oder nach unten (z. B. Sekretäre).
2. Türscharniere (für Zimmertüren und Haustüren)
Im Baubereich spricht man meist von „Bändern“.
- Einbohrbänder: Bestehen aus zwei Teilen mit Gewindebolzen, die direkt in den Türrahmen (Zarge) und das Türblatt geschraubt werden. Standard bei modernen Innentüren.
- Aufschraubbänder: Werden einfach auf die Oberfläche geschraubt. Oft bei einfachen Kellertüren oder im Gartenbereich zu finden.
- Pendeltürbänder (Cowboy-Tür-Scharniere): Besitzen Federn und erlauben es der Tür, in beide Richtungen zu schwingen und automatisch in die Mitte zurückzukehren.
- Verdeckt liegende Türbänder (z. B. TECTUS): Hochwertige Bänder, die bei geschlossener Tür komplett unsichtbar im Rahmen verschwinden. Oft in moderner Architektur verwendet.
- Haustürbänder (Schwerlastbänder): Massive, meist dreidimensional verstellbare Bänder, die das hohe Gewicht von Außentüren tragen und einbruchhemmend wirken.
3. Wichtige Begriffe beim Einbau (Anschlagarten)
Wenn Sie Scharniere kaufen, müssen Sie wissen, wie die Tür auf dem Korpus aufliegt:
- Eckanschlag (Vorliegend): Die Tür liegt voll auf der Seitenwand des Schrankes auf (die Wand ist von vorne nicht zu sehen).
- Mittelanschlag (Zwillingsanschlag): Zwei Türen treffen sich vor einer Seitenwand und teilen sich diese.
- Innenanschlag (Einliegend): Die Tür schlägt innerhalb der Seitenwände an (die Kanten des Schrankkorpus sind von vorne sichtbar).
4. Spezialscharniere
- Winkelscharniere: Für Schränke mit besonderen Winkeln (z. B. 45° Eckschränke).
- Weitwinkelscharniere: Erlauben einen Öffnungswinkel von bis zu 170°, damit z. B. Innenauszüge (Schubladen) ungehindert herausgezogen werden können.
- Parallelscharniere: Lassen die Tür parallel zum Korpus nach vorne aufspringen.
Welches Scharnier für welches Projekt?
- Küchenschrank: Topfband (Eckanschlag).
- Schwere Truhe: Klavierband.
- Hochwertige, glatte Optik: Verdeckt liegende Scharniere.
- Restaurierung antiker Möbel: Lappenbänder oder Fitschenbänder (werden oft in das Holz eingestemmt).
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