Welche speziellen Handschuhe sind für den Umgang mit Chemikalien erforderlich?

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Beim Umgang mit Chemikalien gibt es keinen Universalhandschuh, der gegen alle Stoffe schützt. Die Wahl des richtigen Handschuhs hängt extrem von der Art der Chemikalie, der Konzentration und der Kontaktdauer ab.

Hier ist ein detaillierter Überblick über die gängigen Materialien und die Auswahlkriterien:

1. Die gängigsten Materialien und ihr Einsatzbereich

  • Nitril (Nitrile):

    • Eigenschaften: Sehr verbreitet, gute mechanische Beständigkeit.
    • Schützt gegen: Öle, Fette, Benzin und viele Säuren/Laugen.
    • Vorsicht: Nicht geeignet für viele Ketone (z.B. Aceton) oder starke Oxidationsmittel.
    • Hinweis: Einweg-Nitrilhandschuhe bieten nur Spritzschutz, keinen Schutz beim Eintauchen!
  • Butylkautschuk (Butyl):

    • Eigenschaften: Sehr gasdicht.
    • Schützt gegen: Ester, Ketone (wie Aceton), starke Säuren und Laugen.
    • Vorsicht: Teurer und weniger elastisch als Nitril.
  • Viton (Fluorkautschuk - FKM):

    • Eigenschaften: Hochleistungs-Material, sehr teuer.
    • Schützt gegen: Chlorierte Kohlenwasserstoffe (z.B. Trichlorethylen), aromatische Kohlenwasserstoffe (Benzol, Toluol).
    • Vorsicht: Nicht gut gegen Ketone geeignet.
  • Neopren (Chloropren):

    • Eigenschaften: Gute Allround-Eigenschaften, flammhemmend.
    • Schützt gegen: Viele Säuren, Laugen, Alkohole und Öle.
  • Latex (Naturkautschuk):

    • Eigenschaften: Hochelastisch, aber hohes Allergiepotenzial.
    • Schützt gegen: Biologische Stoffe, wasserlösliche Chemikalien, verdünnte Säuren/Laugen.
    • Vorsicht: Völlig ungeeignet für Öle, Fette und Lösungsmittel (werden sofort durchlässig).
  • PVC (Vinyl):

    • Schützt gegen: Säuren und Laugen.
    • Vorsicht: Geringe mechanische Belastbarkeit, kaum Schutz gegen Lösungsmittel.

2. Worauf man achten muss (Kennzeichnung)

Achten Sie auf die Norm EN ISO 374. Ein zertifizierter Chemikalienschutzhandschuh ist mit dem Symbol eines Erlenmeyerkolbens gekennzeichnet.

Es gibt drei Typen:

  • Typ A: Schutz gegen mindestens 6 Prüfchemikalien (Durchbruchzeit > 30 Min.).
  • Typ B: Schutz gegen mindestens 3 Prüfchemikalien (Durchbruchzeit > 30 Min.).
  • Typ C: Schutz gegen mindestens 1 Prüfchemikalie (Durchbruchzeit > 10 Min.).

Unter dem Erlenmeyerkolben stehen Buchstaben (A bis T), die für bestimmte Chemikalienklassen stehen (z.B. A = Methanol, K = Natriumhydroxid 40%, L = Schwefelsäure 96%).


3. Wichtige Fachbegriffe zur Sicherheit

  1. Permeation (Durchbruchzeit): Die Zeit, die eine Chemikalie benötigt, um auf molekularer Ebene durch das Handschuhmaterial zu dringen. Selbst wenn der Handschuh dicht aussieht, kann die Chemikalie bereits durchgewandert sein.
  2. Degradation: Die Veränderung des Materials durch die Chemikalie (der Handschuh wird spröde, quillt auf oder schmilzt).
  3. Penetration: Das Eindringen durch Löcher, Risse oder Nähte.

4. Checkliste für die Auswahl

  1. Sicherheitsdatenblatt (SDB) lesen: Unter Abschnitt 8 des Sicherheitsdatenblattes der Chemikalie steht genau, welches Handschuhmaterial und welche Schichtdicke empfohlen werden.
  2. Kontaktdauer: Ist es nur ein Spritzschutz oder wird mit den Händen in der Flüssigkeit gearbeitet?
  3. Mechanische Belastung: Muss der Handschuh auch schnittfest oder reißfest sein?
  4. Größe: Zu enge Handschuhe werden dünner gedehnt (kürzere Durchbruchzeit), zu weite Handschuhe behindern die Feinmotorik.

Wichtiger Sicherheitshinweis:

Einweg-Handschuhe (die dünnen aus der Box) sollten bei Kontakt mit Chemikalien sofort gewechselt werden. Sie dienen fast ausschließlich dem Schutz vor unbeabsichtigten Spritzern, nicht dem dauerhaften Arbeiten mit Substanzen.

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