Welche Schäden verursachen Unkrautvernichter an angrenzenden Nutzpflanzen oder Ziergewächsen?

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Der Einsatz von Unkrautvernichtern (Herbiziden) kann an angrenzenden Nutz- und Zierpflanzen erhebliche Schäden verursachen, wenn die Mittel durch Wind, Verdampfung oder Bodenbewegungen auf die falschen Pflanzen gelangen. Man spricht hierbei oft von Abdrift oder Phytotoxizität.

Hier sind die verschiedenen Arten von Schäden und die Mechanismen dahinter im Detail:

1. Typische Schadbilder (Symptome)

Je nach Wirkstoff des Herbizids zeigen die betroffenen Pflanzen unterschiedliche Reaktionen:

  • Wachstumsdeformationen (Hormonherbizide): Wirkstoffe wie Dicamba oder 2,4-D (oft in Rasenunkrautvernichtern) wirken wie künstliche Wachstumshormone.
    • Symptome: Verdrehte Stängel (Epinastie), eingerollte oder fächerartig verformte Blätter („Hahnenkamm-Bildung“), extreme Ausstülpungen der Blattadern.
    • Betroffene Pflanzen: Besonders empfindlich sind Tomaten, Weinreben, Rosen und Beerensträucher.
  • Chlorosen (Vergilbungen): Viele Herbizide stören die Photosynthese oder die Bildung von Blattgrün.
    • Symptome: Die Blätter werden hellgrün bis gelb, oft beginnend an den Blatträndern oder zwischen den Blattadern.
  • Nekrosen (Absterben von Gewebe):
    • Symptome: Braune, vertrocknete Flecken auf den Blättern, dort wo die Spritzbrühe gelandet ist. Bei Kontaktherbiziden stirbt nur das getroffene Gewebe ab; bei systemischen Mitteln (wie Glyphosat) stirbt oft die ganze Pflanze von den Triebspitzen her ab.
  • Zwergwuchs und Wachstumsstopp:
    • Symptome: Die Pflanze wächst nicht mehr weiter, bildet gestauchte Triebe oder sehr kleine, kümmerliche Blätter. Die Wurzelentwicklung kann ebenfalls eingestellt werden.

2. Wege der Schädigung (Wie gelangt das Gift zur Pflanze?)

  • Abdrift (Drift): Der häufigste Weg. Feine Spritznebeltröpfchen werden beim Ausbringen vom Wind auf benachbarte Beete oder Hecken geweht.
  • Verdampfung (Gasphase): Einige Wirkstoffe verdampfen bei warmem Wetter noch Stunden nach der Anwendung und schlagen sich als Gas auf empfindlichen Nachbarpflanzen nieder.
  • Abschwemmung (Runoff): Bei starkem Regen kann das Herbizid von behandelten Flächen (z. B. Wegen) in angrenzende Beete gespült werden und dort über die Wurzeln aufgenommen werden.
  • Wurzelkontakt: Manche Herbizide bleiben im Boden aktiv. Wenn die Wurzeln eines Baumes oder Strauches unter eine behandelte Fläche (z. B. Kiesweg) ragen, können sie den Wirkstoff aufsaugen.

3. Langfristige Folgen für Nutzpflanzen

  • Ernteausfall: Selbst wenn die Pflanze überlebt, investiert sie ihre Energie in die Heilung statt in die Fruchtbildung.
  • Rückstände: Bei Nutzpflanzen besteht die Gefahr, dass Herbizidrückstände in die Früchte gelangen, was sie für den Verzehr ungeeignet oder sogar gesundheitsschädlich macht.
  • Minderwuchs: Obstbäume können über Jahre hinweg kümmerliche Erträge liefern, wenn sie eine Dosis Herbizid abbekommen haben.

4. Besonders empfindliche Pflanzen

Einige Pflanzen reagieren schon auf extrem geringe Mengen (Spuren im Bereich von Millionstel Gramm):

  • Gemüse: Tomaten, Salat, Gurken, Bohnen.
  • Zierpflanzen: Rosen, Hortensien, Clematis.
  • Gehölze: Weinreben, Flieder, junge Obstbäume.

5. Was tun im Schadensfall?

Wenn Sie bemerken, dass eine Pflanze versehentlich getroffen wurde:

  1. Sofortiges Abwaschen: Wenn das Mittel noch nass ist, kann intensives Abbrausen mit Wasser den Schaden begrenzen.
  2. Rückschnitt: Bei systemischen Mitteln hilft ein Rückschnitt meist nicht, da der Wirkstoff extrem schnell in die Wurzel wandert.
  3. Geduld und Pflege: Die Pflanze gut wässern und düngen (sofern die Wurzeln intakt sind), um die Regeneration zu unterstützen.

Prävention

  • Niemals bei Wind spritzen.
  • Spritzglocke (Abschirmung) verwenden.
  • Niedrigen Druck wählen (größere Tropfen fliegen weniger weit).
  • Abstand zu Nutzpflanzen halten.
  • Alternative: In der Nähe von Nutzpflanzen ist mechanisches Jäten oder thermische Bekämpfung (Abflammen) immer die sicherere Wahl.