Welche Risiken entstehen, wenn Unterlegkeile nicht direkt bündig am Reifen anliegen?
Wenn Unterlegkeile nicht direkt bündig am Reifen anliegen, entstehen erhebliche Sicherheitsrisiken. Der Hauptgrund dafür ist, dass der Keil seine physikalische Schutzfunktion nur dann voll erfüllen kann, wenn er Bewegungen im Keim erstickt.
Hier sind die spezifischen Risiken im Detail:
1. Aufbau von kinetischer Energie (Schwung)
Dies ist das größte Risiko. Wenn eine Lücke zwischen Reifen und Keil besteht, kann das Fahrzeug anrollen und Geschwindigkeit aufnehmen, bevor es auf den Keil trifft.
- Die Folge: Statt einer statischen Last (das Gewicht des stehenden Autos) muss der Keil nun eine dynamische Last (Wucht/Aufprallenergie) abfangen. Die Kraft, die beim Aufprall auf den Keil wirkt, ist um ein Vielfaches höher als das reine Eigengewicht des Fahrzeugs.
2. Überrollen des Keils (Rampe-Effekt)
Ein Unterlegkeil ist so konstruiert, dass der Reifen durch sein Eigengewicht den Keil auf den Boden presst und so die Reibung erhöht.
- Das Risiko: Wenn das Fahrzeug mit Schwung gegen den Keil rollt, kann der Reifen den Keil wie eine Rampe nutzen. Die kinetische Energie drückt das Fahrzeug nach oben statt nach unten. Das Fahrzeug kann den Keil einfach überrollen oder ihn wegschleudern.
3. Wegrutschen des Keils
Damit ein Keil hält, muss er sich zwischen Reifen und Boden "verbeißen".
- Das Risiko: Wenn der Reifen mit Wucht auf den Keil trifft, kann der Keil (besonders auf glattem Untergrund wie Beton, nassem Asphalt oder Eis) unter dem Reifen weggeschoben werden, bevor der Reifen ihn mit seinem Gewicht am Boden fixieren kann.
4. Materialversagen
Unterlegkeile sind für bestimmte statische Lasten ausgelegt.
- Das Risiko: Der abrupte Stoß eines rollenden Fahrzeugs kann das Material des Keils (besonders bei Kunststoff- oder dünnen Blechkeilen) überfordern. Der Keil kann splittern, verformen oder brechen.
5. Gefahr für Personen (Quetschgefahr)
Oft werden Keile genutzt, wenn Personen am oder unter dem Fahrzeug arbeiten (z. B. beim Reifenwechsel oder bei Reparaturen).
- Das Risiko: Schon ein Rollweg von nur 5 bis 10 Zentimetern kann ausreichen, um einen Wagenheber umkippen zu lassen oder eine Person, die gerade ein Rad montiert, zwischen Radhaus und Reifen einzuklemmen.
6. Beschädigung des Antriebsstrangs
Bei Fahrzeugen mit eingelegtem Gang oder Parksperre (P) kann das Anrollen gegen einen beabstandeten Keil zu einem harten Ruck im Getriebe führen. Das kann die Parksperrklinke oder die Getriebezahnräder beschädigen.
7. Rechtliche Folgen (UVV und StVZO)
In Deutschland schreiben die Unfallverhütungsvorschriften (UVV) und die StVZO vor, dass Fahrzeuge gegen Wegrollen zu sichern sind.
- Das Risiko: Kommt es zu einem Unfall, weil der Keil nicht fachgerecht (also bündig) angebracht war, kann dies als Fahrlässigkeit gewertet werden. Versicherungen könnten die Haftung ablehnen und bei gewerblicher Nutzung drohen Bußgelder durch die Berufsgenossenschaft.
Fazit: Wie man es richtig macht
- Handbremse fest anziehen: Bevor die Keile angelegt werden.
- Bündig anlegen: Der Keil muss die Lauffläche des Reifens direkt berühren.
- Diagonal sichern: Bei Gefälle sollten die Keile an der Achse angebracht werden, die die meiste Last trägt (meist bergabseitig). Bei Arbeiten am Fahrzeug sichert man idealerweise ein Rad von beiden Seiten (vorne und hinten), um Bewegungen in beide Richtungen auszuschließen.
- Untergrund prüfen: Der Keil arbeitet nur so gut wie der Boden, auf dem er liegt. Auf Eis oder losem Schotter ist besondere Vorsicht geboten.