Welche Risiken entstehen, wenn man mit Kontaktlinsen schläft?
Das Schlafen mit Kontaktlinsen, die nicht ausdrücklich für das Tragen über Nacht zugelassen sind, stellt ein erhebliches Gesundheitsrisiko für die Augen dar. Die Hornhaut ist das einzige Gewebe des Körpers, das seinen Sauerstoff direkt aus der Luft und nicht über Blutgefäße bezieht.
Hier sind die wichtigsten Risiken im Detail:
1. Sauerstoffmangel (Hypoxie)
Wenn Sie die Augen schließen, wird die Sauerstoffzufuhr zur Hornhaut ohnehin schon reduziert. Eine Kontaktlinse wirkt wie eine zusätzliche Barriere.
- Folge: Die Hornhaut quillt leicht an (Ödem). Dies kann zu verschwommener Sicht, Schmerzen und einer erhöhten Anfälligkeit für Verletzungen führen.
- Langzeitfolge: Das Auge versucht, den Mangel auszugleichen, indem neue Blutgefäße in die Hornhaut einwachsen (Neovaskularisation). Dies kann die Sehkraft dauerhaft beeinträchtigen.
2. Erhöhtes Infektionsrisiko (Keratitis)
Dies ist das gefährlichste Risiko. Studien zeigen, dass das Schlafen mit Linsen das Risiko für eine schwere Hornhautentzündung um das 6- bis 15-fache erhöht.
- Bakterien: Unter der Linse entsteht ein warmes, feuchtes Milieu – ideal für Bakterien (z. B. Pseudomonas aeruginosa).
- Akanthamöben: Diese Parasiten können schwere, schmerzhafte Infektionen verursachen, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen.
3. Hornhautgeschwüre (Ulcus corneae)
Aus einer unbehandelten Infektion oder einer kleinen Verletzung durch die Linse kann ein Geschwür entstehen.
- Folge: Ein Hornhautgeschwür ist ein medizinischer Notfall. Es kann Narben auf der Hornhaut hinterlassen, die das Sehvermögen dauerhaft einschränken oder eine Hornhauttransplantation notwendig machen.
4. Mechanische Reizungen und Trockenheit
Während des Schlafs bewegen sich die Augen (REM-Phase). Die Linse kann reiben und winzige Risse (Mikrotraumata) in der Hornhautoberfläche verursachen. Zudem trocknet die Linse über Nacht aus und kann am Auge "festkleben", was beim Entfernen am Morgen zu Verletzungen führt.
5. GPC (Riesenpapillenkonjunktivitis)
Dabei handelt es sich um eine allergische Reaktion der Innenseite des Augenlids auf die Linse oder Ablagerungen darauf. Es bilden sich kleine Höcker (Papillen), die das Tragen von Linsen irgendwann unmöglich machen, weil sie jucken und die Linse ständig verrutscht.
Was tun, wenn es doch passiert ist?
Sollten Sie versehentlich mit Linsen eingeschlafen sein, beachten Sie diese Schritte:
- Nicht sofort herausreißen: Die Linse könnte festkleben.
- Befeuchten: Benutzen Sie Nachbenetzungstropfen oder Kochsalzlösung und warten Sie einige Minuten, bis die Linse wieder schwimmt.
- Tragepause: Gönnen Sie Ihren Augen mindestens 24 Stunden Pause und tragen Sie stattdessen eine Brille.
- Beobachten: Wenn das Auge rot ist, schmerzt, tränt oder Sie verschwommen sehen, suchen Sie umgehend einen Augenarzt auf.
Die Ausnahme: Tag-und-Nacht-Linsen
Es gibt spezielle Silikon-Hydrogel-Linsen, die eine sehr hohe Sauerstoffdurchlässigkeit haben und für das Schlafen zugelassen sind. Aber auch hier gilt: Nur nach Rücksprache mit einem Augenoptiker oder Augenarzt, da nicht jedes Auge für dieses Dauertragen geeignet ist.
Fazit: Das Risiko steht in keinem Verhältnis zum Komfortgewinn. Nehmen Sie die Linsen vor dem Schlafengehen immer heraus!