Welche Risiken birgt Ibuprofen für das Herz-Kreislauf-System?

Melden

Ibuprofen gehört zur Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR). Während es ein sehr wirksames Mittel gegen Schmerzen und Entzündungen ist, gibt es seit Jahren klare wissenschaftliche Belege dafür, dass die Einnahme – insbesondere in hohen Dosen und über einen längeren Zeitraum – Risiken für das Herz-Kreislauf-System birgt.

Hier sind die wichtigsten Risiken im Überblick:

1. Erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall

Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von NSAR (außer Aspirin) das Risiko für arterielle thrombotische Ereignisse erhöhen kann.

  • Mechanismus: Ibuprofen kann das Gleichgewicht zwischen bestimmten Botenstoffen (Prostacyclin und Thromboxan) stören. Dies kann die Verengung der Blutgefäße fördern und die Verklebung von Blutplättchen begünstigen, was zu Blutgerinnseln führen kann.
  • Dosisabhängigkeit: Das Risiko steigt signifikant bei hohen Dosen (ab 2.400 mg pro Tag) und Langzeitanwendung.

2. Blutdruckerhöhung (Hypertonie)

Ibuprofen kann den Blutdruck erhöhen oder die Wirkung von Blutdrucksenkern abschwächen.

  • Nierenwirkung: Ibuprofen hemmt die Produktion von Prostaglandinen in den Nieren. Dies führt dazu, dass die Nieren weniger Natrium und Wasser ausscheiden. Das erhöhte Blutvolumen lässt den Blutdruck steigen.
  • Wechselwirkung: Die Wirkung von Medikamenten wie ACE-Hemmern, Betablockern oder Diuretika kann durch Ibuprofen vermindert werden.

3. Verschlechterung einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche)

Für Menschen, die bereits an einer Herzschwäche leiden, ist Ibuprofen besonders riskant.

  • Flüssigkeitseinlagerungen: Durch die oben genannte Hemmung der Wasserausscheidung kann es zu Ödemen (Wassersucht) kommen. Das zusätzliche Volumen belastet das bereits geschwächte Herz massiv, was zu einer akuten Verschlechterung führen kann.

4. Wechselwirkung mit Aspirin (ASS)

Viele Herzpatienten nehmen niedrig dosierte Acetylsalicylsäure (ASS 100) zur Vorbeugung von Herzinfarkten ein („Blutverdünnung“).

  • Blockade-Effekt: Ibuprofen kann die Bindungsstelle am Enzym COX-1 besetzen, die eigentlich für das ASS vorgesehen ist. Dadurch verliert das ASS seine schützende Wirkung auf das Herz, und das Risiko für Gerinnsel steigt wieder an.
  • Empfehlung: Wenn beides eingenommen werden muss, sollte ASS zuerst und Ibuprofen mit zeitlichem Abstand (meist mehrere Stunden später) eingenommen werden.

Wer ist besonders gefährdet?

Das Risiko ist nicht für jeden gleich hoch. Besonders vorsichtig sollten sein:

  • Personen über 65 Jahre.
  • Menschen mit bekanntem Bluthochdruck oder bereits bestehenden Herzerkrankungen.
  • Personen, die bereits einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten haben.
  • Raucher sowie Menschen mit hohen Cholesterinwerten oder Diabetes.

Empfehlungen zur Minimierung des Risikos

  1. Niedrige Dosis, kurze Dauer: Nehmen Sie Ibuprofen in der geringsten wirksamen Dosis und so kurz wie möglich ein.
  2. Alternativen prüfen: Bei chronischen Schmerzen sollten alternative Therapien oder Medikamente mit geringerem Herzrisiko (z. B. Paracetamol, wobei dieses andere Risiken hat) mit dem Arzt besprochen werden.
  3. Ärztliche Rücksprache: Wenn Sie bereits Herz-Kreislauf-Probleme haben oder Blutdrucksenker nehmen, sollten Sie Ibuprofen nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt verwenden.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Herzproblemen oder Fragen zur Medikation wenden Sie sich bitte an einen Arzt oder Apotheker.

0